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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Seite - 182 -
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182 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns 1135–1204) sowie das Gesetzbuch Schulhan Aruch von Rabbi Joszef ben Ef- raim Karo (1488–1575) herangezogen. Bis heute bestimmt die Befolgung dieses Kodexes die Zugehörigkeit zu den Orthodoxen oder Ultraorthodo- xen. Was die heutigen fundamentalistischen Religionsgruppierungen betrifft, sind das für einige Forscher*innen vor allem die radikalen Nationalreli- giösen und Anhänger*innen des Kahanismus in Israel (vgl. Winkelmeier- Hoeg ner 2010, 12; 82–98). Andere – unter ihnen auch Nurit Stadler – zäh- len auch die Chabad-Bewegung, die als jüdische Neo-Orthodoxie Ungarns im weiteren Text noch behandelt wird, zu den fundamentalistischen Rich- tungen des Judentums. Allerdings merkt Stadler an, dass sich Chabad von den Haredim in dem Sinne unterscheidet, dass diese Bewegung die moder- nen Verhältnisse akzeptiert und die Vorteile der modernen Technologien sogar für eigene missionarische Ziele nutzt: „The Habad Hasidic movement, known also as the Lubavitch Hasidic, is another example of the manifestation of scripturalism and yeshiva re- ligiosity. Yet, in contrast to the religiosity of b’nei torah, Habad devotees spread the teaching of the text through missionary activity, while strug- gling and adjusting to the modern world.“ (Stadler 2005, 220) Durch moderne Organisation, Sprachunterricht und den Gebrauch wir- kungsvoller medialer Kommunikationsmittel will Chabad mehr Jugend- liche und nicht zuletzt junge Jüdinnen für sich gewinnen. Eine Basis des Fundamentalismus kann die Orthodoxie sein (vgl. Win- kelmeier-Hoegner 2010, 33). Die orthodoxen und insbesondere die ultra- orthodoxen Jüdinnen fallen durch ständiges Streben nach dem vorge- schriebenen Verhalten (nach Zniut, d. h. Sittsamkeit) auf, wobei die jüdi- schen Symbole und die ‚richtige‘ Tracht (wie z. B. längere Röcke, lang- ärmelige Oberteile und die Kopfbedeckung in Form eines Tuches oder einer Perücke) als individuelle Reaktion auf die Herausforderungen bzw. die In- stabilität der säkularen Postmoderne betrachtet werden können. In Ungarn gab es bis 1868 keine Orthodoxie. Erst nach dem jüdischen Lan- deskongress von 1868 spaltete sich das ungarische Judentum in die Neo logie (emanzipierte jüdische Gemeinschaften), die Orthodoxie (Gemeinschaften der Rechtgläubigen) und die sogenannten Ante Status Quo-Gemeinschaf- ten. 1868 spaltete sich das ungarische Judentum.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
4:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
224
Kategorien
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