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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Seite - 185 -
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185 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns gewohnt, die religiöse Lehre im Erwachsenenalter zu vertiefen bzw. sich mit der Tora zu beschäftigen. Nach dem schulischen Religionsunterricht wählen die meisten Jüd*innen weltliche Beschäftigungen oder Berufe und besuchen die Synagogen lediglich am Kabalat Schabbat (Schabbat-Emp- fang am Freitagabend), zu den religiösen Festen und zu familiären Feier- lichkeiten wie z. B. der Bar Mizwa oder der Bat Mizwa (Feier der religiösen Mündigkeit für die Jungen bzw. Mädchen). Bei Chabad wird von den Jüdinnen keine eigene religiöse Aktivität in der Synagoge verlangt. Die Frauen sollen gute (d. h. kinderreiche) Familien- mütter sein, Wohltätigkeit ausüben, formale Vorschriften beachten und Zufriedenheit ausstrahlen. Für viele ungarische Jüdinnen ist diese Art der synagogalen Präsenz gewohnter und bequemer. Der erste Abgesandte von Chabad Lubawitsch, einer chassidischen Bewe- gung dynastischen Charakters, kam zur Zeit der politisch-wirtschaftlichen Wende 1989/90 nach Ungarn.2 Die Gemeinschaft, die von im Gefolge die- ses Abgesandten aus den USA eingewanderten Jud*innen gemeinsam mit einigen heimischen Gleichgesinnten organisiert wurde, behauptete sich von Anfang an als authentische Nachfolgerin der traditionellen ungari- schen Orthodoxie, welche solcherart für quasi nicht-existierend erklärt wurde. Die neue orthodoxe Gemeinschaft (Neo-Orthodoxie) begleitet ihre Aktivitäten mit modernen Mitteln der Kommunikation und Propaganda. Die Presse liebt die neo-orthodoxen Jüd*innen, weil sie auf den Fotos so ‚echt jüdisch‘ aussehen. Die Tätigkeit der Neo-Orthodoxie im öffentlichen Leben Ungarns ist auch mit der regierenden rechtskonservativen Politik verflochten. Nicht nur Benjamin Netanjahu, Wladimir Putin und Donald Trump pflegen gute Beziehungen zu Chabad Lubawitsch. Dasselbe gilt auch für das Kabinett Viktor Orbáns. 2 „Chabad“ ist ein Akronym, zu- sammengestellt aus drei Begriffen (Sephirot) der Kabbala (Weisheit, Er- kenntnis und Wissen). Die Gruppie- rung wurde noch im späten 18. Jahr- hundert von R. Schneur Salman von Ljad (Scheerson) gegründet. Später wurde sie nach Lubawitsch, einem Ort in der Nähe von Smolensk im äußersten Westen Russlands, be- nannt. Heute ist der Sitz von Chabad Lubawitsch in Brooklyn, von wo aus Emissäre in die ganze Welt geschickt werden. Chabad ist in über siebzig Ländern der Welt vertreten. Abb. 1: Ungarische und israelische Chabad-Rabbiner mit Viktor Orbán in Budapest Szombat.org, 2020/2
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
4:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
224
Kategorien
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