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Tanja Grabovac | Religiöser Fundamentalismus und die LGBTIQ-Bewegung in Bosnien und Herzegowina
und Herzegowina schwieg. Die Reaktion der katholischen Kirche auf die
LGBTIQ-Pride Parade kann als die erste offizielle Verlautbarung der katho-
lischen Kirche in Bosnien zum Thema Homosexualität angesehen werden
(Übersetzung T. G.):
„Die katholische Kirche in Sarajevo, in der Erzdiözese Vrhbosna, in Bos-
nien und Herzegowina, in Kroatien, wie auch überall sonst in der Welt,
kann nichts Kluges und Authentisches sagen, ohne sich auf ihre eigenen
Grundlagen zu stützen, und das sind die Schrift (Bibel), die Tradition
(Lehre der Kirchenväter) und die Lehre der aktuellen kirchlichen Lehrer.
Alles, was diese Vorgaben vernachlässigen würde, wäre die persönliche
Haltung eines Einzelnen, eines Mitglieds der Kirche, aber nicht der Kir-
che als solcher. Im Zusammenhang mit dem Thema der Homosexualität,
das auch der Anlass für die Parade ist, sagt die Schrift durch die Feder des
Apostels Paulus an mehreren Stellen eindeutig, dass es sich um eine Ver-
derbtheit handelt [...]. Homosexuelle Paraden fordern angeblich ‚Rechte‘
für Homosexuelle und setzen sie mit den Menschenrechten gleich. Aber
es ist nur allzu klar, dass es nach der kirchlichen Lehre keinen Zusam-
menhang zwischen Menschenrechten und Rechten für Homosexuelle
gibt [...]. Daher wird die katholische Kirche niemals in der Lage sein, ir-
gendeinen Anspruch zu unterstützen, der der Relativierung oder sogar
der Amnestie der Sünde dient. Von daher kann sie die Homosexuellen-
Parade weder unterstützen noch rechtfertigen.“8
Die Islamische Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina, der Mufti-Rat
in Bosnien und Herzegowina, hatte bereits 2015 offizielle Erklärungen zur
Frage der LGBTIQ-Personen abgegeben.9 Darin wird die Familie auf Basis
einer Ehe zwischen Mann und Frau bekräftigt, Homosexualität wird als
große Sünde angesehen, Gewalt gegen eine Person aufgrund ihrer persön-
lichen Überzeugungen und Orientierung ist jedoch nicht erlaubt. In ihrer
Reaktion auf die erste Pride Parade im Jahr 2019 bestätigte sie diese Position
(Übersetzung T. G.):
„Der Mufti-Rat erinnert die Gläubigen an seine Schlussfolgerung aus der
fünften regulären Sitzung vom 16. Dezember 2015 in Sarajevo, die besagt,
dass der Islam Ehe und Familie bejaht, die Ehebildung und die Erhaltung
der Werte von Ehe, Nachwuchs und Familie als die grundlegenden Zel-
len der menschlichen Gesellschaft fördert. Nach den Lehren des Islam ist
die Ehe ein Vertrag über das Zusammenleben zwischen einem Mann und
einer Frau, der in gegenseitigem Einvernehmen mit dem Ziel geschlos-
Die Reaktionen der Kirchen auf die erste LGBTIQ-Parade in Sarajevo
8 http://www.ktabkbih.net/info.
asp?id=89042 [05.03.2021].
9 https://www.islamskazajednica.
ba/vijesti/aktuelno/23309-zaklju-
cak-vijeca-muftija-islamske-za-
jednice-u-bosni-i-hercegovini-po-
pitanju-lgbt-osoba [05.03.2021].
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 4:1
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 224
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven