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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 183 -
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184 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter fordistisch-wohlfahrtsökonomischen Kompromiss sowie dem allgemei- nen Bildungszugang. Hierbei handelt es sich um ein Modell, das im Bereich der sozialen Sicherheit bemerkenswerte Erfolge ermöglicht hat: beispiels- weise eine gewisse Umverteilung des Reichtums, den Aufbau des Sozial- staats und eine starke Wirtschaftsplanung. Allerdings musste hierfür mit einer Stärkung der Macht des Staatsapparats innerhalb des gesellschaft- lichen und individuellen Lebens eine massive Präsenz der Institutionen in Kauf genommen werden. Innerhalb der verbreiteten Auffassung der Gesell- schaft als eines integrierten und schlüssigen Ganzen (Parsons 1951) wur- de den Institutionen de facto die Aufgabe der Sozialisation der Individuen übertragen, wobei man das als zweckmäßig für die Gesellschaft erachtete, da mit Blick auf die kollektiven Bedürfnisse in der persönlichen Autonomie und in der kulturellen Heterogenität ein potenziell chaotischer  – und daher zu kontrollierender – Faktor gesehen wurde. Gleichzeitig verstärkten die Steigerung des Wohlstands und ein immer breiterer Zugang zum Konsum neue individualistischere Ansprüche (Inglehart 1990): Dies bereitete den Boden für das, was Michel Foucault (1975) als eine Revolte gegen die Dis- ziplinargewalt der Institutionen bezeichnet hat. In der Tat bewirkte diese Gewalt auf der subjektiven Ebene eine Krise und ferner – gegen Ende der 1960er Jahre – einen explosionsartigen Anstieg des Wunsches nach mehr Ausdrucksmöglichkeiten seitens der Individuen, die begonnen hatten, jede Art von gesellschaftlicher Autorität und Hierarchie im Namen der Selbst- bestimmung und der moralischen Freiheit abzulehnen. Luc Boltanski und Eve Chiapello (1999) definierten diese Protestbewegung als ,Künstler- kritik‘ und stellten fest, dass die Bewegungen der sechziger Jahre, über die künstlerischen Kreise hinaus, etwas von dem in diesen Kreisen typischen Drängen nach Freiheit und Kreativität aufgriffen und erweiterten. Zugleich deutete sich, über die Krise auf der subjektiven Ebene hinaus, auch auf der strukturellen Ebene – nach Jahrzehnten ununterbrochenen Wachstums – Anfang der 1970er Jahre eine wirtschaftliche Instabilität an, welche die diesbezüglichen politischen Antworten immer weniger über- zeugend erscheinen ließ. Daraus erwuchs eine Legitimitätskrise gegenüber den Institutionen, und es folgte eine Umstrukturierung, die gleicherma- ßen die soziokulturelle, die politische und die wirtschaftliche Ebene betraf (Drucker 1988; Hall 1988). Mit einer Legitimitätskrise der Institutionen erfolgte eine Umstrukturierung der Gesellschaft auf soziokultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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