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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 189 -
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190 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter Auch der Körper ist der Logik der Fragmentierung unterworfen: Durch die Fortschritte in der Biotechnologie wird er zu einem vollständig biotechni- schen Faktum, zu einem Wert, der über seine eigene Grenze hinaus kapi- talisierbar und produzierbar ist. Und in all jene Bereiche, wo der Mensch offenkundig eines anderen Menschen bedarf, versucht die Technik, sich ihren Weg zu bahnen. Sie ist hierzu durchaus legitimiert, zumal – wie Um- berto Galimberti (1999) und Giorgio Agamben (2014) unterstreichen – der aufkommende Menschentyp jener des ,Funktionsmenschen‘ ist, d.  h. eines Menschen, der voll und ganz vom System abhängig ist, das ihn hinsichtlich seiner Selbstverstärkung und des Versprechens unbegrenzter Freiheit in Sicherheit wiegt. Technikwissenschaft und technikbasierte Wirtschaft bieten sich besonders dazu an, der Idee einer absoluten, von allem losgelösten Freiheit gerecht zu werden, da sie das berauschende Moment des Unbegrenzten anbieten: Indem sie einen Zustand fortwährender Mittelsteigerung auf der System- ebene vorantreiben und indem sie auf die konstitutive Öffnung des Men- schen für immer neue und weitergehende Möglichkeiten eingehen, bilden sie jenen Horizont, von dem aus das Subjekt sich selbst begreift. Die Frei- heit konfrontiert so mit dem Vermögen, zuvor undenkbare Dinge zu er- möglichen. Dies geschieht ungeachtet der Fragmentierung und Auflösung, die gegenüber dem ,Zugewinn‘ an Zweckfreiheit allenfalls als unwesentli- che Nebeneffekte aufgefasst werden. Der Punkt dabei ist, dass das schwächste Glied in diesem Vorstellungsraum von Freiheit, also die zu überwindende Grenze, der Mensch selbst wird (der  – wie Günther Anders bereits in den 1950er Jahren anklagte – Gefahr läuft, der ,Antiquiertheit‘ zu verfallen). Dies führt dazu, dass die beiden üb- rigens nur scheinbar widersprüchlichen Extreme, innerhalb derer sich die technische Gesellschaft offenbar bewegt, zum einen jenes des Unmensch- lichen und zum anderen jenes des Übermenschlichen sind (Magatti 2018a). Einer seits macht sich eine Wegwerflogik breit, die all jene veraltet sein lässt, die an die etablierten Effizienzstandards nicht ausreichend angepasst sind. Somit wächst, auch jenseits des in einer Zeit großer wirtschaftlicher Ausdehnung paradox anmutenden globalen Anstiegs der Ungleichheiten und der materiellen Armut, die Anzahl derer, die der Gefahr der Marginali- sierung ausgesetzt sind, und zwar aus dem einfachen Grunde, dass sie be- Ein ‚Funktionsmensch‘ ist voll und ganz vom System abhängig, das ihn hinsichtlich des Versprechens unbegrenzter Freiheit in Sicherheit wiegt.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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