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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 191 -
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192 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter sich auch aus unserer gegenwĂ€rtigen Situation die Gelegenheit fĂŒr einen Versuch ergeben, die Bedingungen fĂŒr ein neues Zeitalter der Freiheit zu erschaffen – und zwar fĂŒr ein besseres als jenes, welches wir selbst ken- nengelernt haben. Es geht nicht etwa darum, zurĂŒckzugehen oder von einer EinschrĂ€nkung des Wachstums bzw. einer Begrenzung der Freiheit auszugehen. Die Auf- gabe stellt sich, in Bezug auf die Freiheit, anspruchsvoller dar: Es gilt, die positiven Entwicklungen der hinter uns liegenden historischen Phase zu fördern und gleichzeitig zu versuchen, alternative Wege fĂŒr ein neues sozio ökonomisches Entwicklungsmodell zu entwerfen, das die Bereit- schaft mitbringt, sich von der Wirklichkeit provozieren zu lassen. TatsĂ€chlich stĂŒtzte sich die expansive Strategie auf rein technische Er- neuerung, auf eine Intensivierung der MobilitĂ€t und auf die FluiditĂ€t der Beziehungen, unter Ausblendung der Natur, der Geschichte und des Ge- sellschaftlichen. Letztere Bereiche wurden gleichsam als Ressourcenvor- kommen betrachtet, von denen man vermeinte zehren zu können, ohne fĂŒr ihren Bestand sorgen zu mĂŒssen und ohne in ihre Erneuerung zu in- vestieren, um sie so schließlich zu erschöpfen. Niemals so sehr wie in der heutigen Zeit hat sich eine ganze Reihe von Wolken am Horizont zusam- mengebraut: Das Zeitalter des ,AnthropozĂ€n‘ (Stiegler 2017) – geprĂ€gt von VerĂ€nderungen, die sich auf menschliche AktivitĂ€ten infolge der modernen industriellen und technischen Entwicklungen zurĂŒckfĂŒhren lassen – hat Ungleichgewichte innerhalb der BiosphĂ€re hervorgebracht, die bedeutende Spannungen nach sich ziehen dĂŒrften. Das angehĂ€ufte destruktive Poten- zial ist enorm, wĂ€hrend sich ein seelisches Unbehagen breitmacht und Un- gleichheit keineswegs zurĂŒckzugehen scheint. Bei nĂ€herer Betrachtung wird deutlich, dass die von der Wirklichkeit ausge- henden Anfragen mit der Fokussierung der anthropologischen Vorausset- zungen der gesellschaftlichen Fragestellungen zu tun haben. TatsĂ€chlich inspiriert sich die Gesellschaft der Individuen an einem Ich, das sich aus der jeder intersubjektiven Bindung eigener Schuld bzw. Verpflichtung befreit hat. Die Vorstellung der absoluten Freiheit begreift das Ich als vollkommen losgelöst von seinem sozialen Kontext und seine Entscheidungen als unab- hĂ€ngig von einem Vorher oder Nachher. Die Freiheit als Besitz eines Sub- jekts, das sich erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auf die gesellschaftliche Es gilt, ein neues sozioökonomisches Entwicklungsmodell zu entwerfen, das sich von der Wirklichkeit provozieren lĂ€sst.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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