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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 193 -
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194 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter bemüht sie sich darum, ihre eigenen Grundvoraussetzungen sicherzustel- len. Ermöglicht wird dies nicht mit Hilfe einer Verankerung an etwas Äu- ßerem, wie z.  B. an ursprünglichen Werten oder Normen, an denen es sich zu messen gilt, sondern vielmehr durch ihr eigenes Wesen, das relational ist, das also die Struktur des Trägers der Freiheit, sprich: des Individuums, widerspiegelt. Die Freiheit lässt sich neu denken, wenn man mit der Exzen- trizität der Individuen beginnt, als Wesen, die etwas von sich selbst Ver- schiedenem ausgesetzt und zum Wagnis fähig sind (Plessner 1964; Ricœur 1993); Individuen, die der Welt eine Form geben und somit einer Zeit, einer Geschichte, einem Kontext, einem Du entsprechen können. Und es liegen eigentlich keine gegenteiligen Fakten vor: Die Freiheit entwi- ckelt sich in einem konkreten Raum und in Ausrichtung auf ein ,Objekt‘ (sei es ein materielles Ding, die Geschichte, die Welt, das andere Du) – jenen „Gegenwurf“ (Simmel, GSG 4, 142), ohne dessen Reibung sie sich selbst verlieren würde und in ihrem auflösenden Drang beschlossen bliebe, dar- in, sich zu verflüchtigen „wie ein transitives Verbum ohne Objekt“ (GSG 4, 236). Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit bringt eine zweifache Bewe- gung mit sich: ̟ Auf der einen Seite geht es darum zu erkennen, dass wir in einem gesellschaftlichen Kontext leben, der so stark ist, dass er das Auf- kommen des Menschlichen, und somit der Freiheit, außerhalb eines technischen Plans schwierig macht. In diesem Rahmen tut sie sich schwer, die relationale Struktur und die menschliche Fähigkeit zum Ausdruck zu bringen, Sphären zusammenzubinden, die ge- trennt wurden, und sich, auf der Grundlage von Fragen nach dem Sinn, von der vorherrschenden Rationalisierung zu distanzieren. ̟ Auf der anderen Seite geht es darum, der Wirklichkeit wieder ihre Konkretheit zuzugestehen und sich ihrer anzunehmen, wobei Letztere nicht einfach als Barriere für die Entfaltung des Ichs ange- sehen wird, sondern als eine Form, ohne welche die Freiheit selbst abstrakt wird. Es geht hier um eine Wirklichkeit als existentielle Ordnung, die größer ist als das Ich, also zuallererst die Wirklichkeit des Lebens, von dem die menschliche Existenz (und das personale Ich) mit allem, was sie hervorbringt, ein Ausdruck ist. Freiheit entwickelt sich in einem konkreten Raum und in Ausrichtung auf ein ‚Objekt‘.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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