Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Zeitschriften
LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 203 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 203 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2

Bild der Seite - 203 -

Bild der Seite - 203 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2

Text der Seite - 203 -

204 | www.limina-graz.eu Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter 1. Zur Welt bringen In der Bewegung des Etwas-Neues-ins-Leben-Rufens entfernt sich die Freiheit von der vereinheitlichenden Praxis und geht weit über die Entscheidung zwischen zwei gegebenen Alternativen hinaus (sie übertrifft bei weitem die Gefahr, sich nicht zu entscheiden). Dies wird zur menschlichen Fähigkeit, einen neuen Weg einzuschlagen, den es andernfalls nicht gegeben hätte, und verhindert, dass die Wirklichkeit lediglich auf ein unbestimmtes Fließen, auf ein bloßes Sich-Wiederholen reduziert wird. Etwas anzufangen erlaubt es, der Welt eine Form zu geben und/oder sie zu verändern: Auf diese Weise realisiert auch das Individuum jenes Gestalt-Annehmen, das es cha- rakterisiert (Pareyson 1995, 2002). Das generative Handeln kann die Antwort auf eine Herausforderung sein, auf ein unerwartetes Ereignis oder ein zu entwickelndes Erbe, aber auch auf ein Trauma oder eine Situation, die eine sozial rele- vante Angelegenheit ans Licht bringt. Arendt (1958) geht noch einen Schritt weiter, indem sie Freiheit mit Natalität verbindet: Freiheit, die anfängt, ist zur Neuheit fähig, und zwar nicht so sehr aufgrund der technischen Kompetenz des sozi- alen Akteurs hinsichtlich der verschiedenen Situationen, sondern weil sie reflektiert und das Gedächtnis jener ursprünglichen Neuheit ist, deren Symbol jede/r allein dadurch ist, dass er/sie geboren wur- de: Wir wurden ,geboren, um etwas Neues anzufangen‘, um eine un- erwartete und originelle Antwort auf die Ereignisse der Geschichte zu liefern. Die Freiheit realisiert also das, was sich in der Geburt schon ankün- digt: die Bewegung des Herausgehens aus einem Raum, in dem man ,drinnen‘ lebt, um auf ein ,draußen‘ zuzugehen, entsprechend der Dynamik, die dem Leben eigen ist. In Bezug auf das freie Handeln behauptet Simmel, dass es „überhaupt nicht zurück auf das Subjekt [schlägt], sondern in der vorwärts strebenden Richtung des Lebens als solchen läuft“ (GSG 16, 420). Dieses Handeln kann die Form einer künstlerischen, sozialen, kul- turellen, wirtschaftlichen oder seelischen Ausrichtung annehmen. Darin wird das Individuum nicht als ein Wesen betrachtet, das einem Mechanismus von Ursache und Wirkung oder der Zufälligkeit der Wir wurden geboren, um etwas Neues anzufangen.
zurück zum  Buch Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2"
Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Limina