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Monica Martinelli | Die Freiheit der Freien im technisch-ökonomischen Zeitalter
det Strategien, mobilisiert andere Personen. Es handelt sich um eine
organisatorische Phase, die sich auf eine langfristige, vollständige
Haltbarkeit richtet, die auf Sinnkonstruktion sowie auf Bedingun-
gen der Arbeit/Zusammenarbeit gestützt ist und die Personen auf-
wertet: kein einfaches Vorgehen, insbesondere angesichts der in der
Regel anders ausgerichteten Organisationslogiken, die zumeist zur
Leistungsfähigkeit und Erneuerung in einem eminent technischen
Sinne neigen (Cecchinato/Tosoni 2018).
In dieser Phase, in der sich der anfängliche Schwung zu einer Form
und zu Beziehungsnetzen verfestigt, kommen Elemente des sozia-
len Lebens ins Spiel, wie zum Beispiel Rollen, Hierarchien, Macht.
Deshalb ist auch die dritte Bewegung, die die generative Freiheit
auszeichnet, von entscheidender Bedeutung.
3. Loslassen
Wenn die Freiheit mit dem Produktionsparadigma nicht überein-
stimmt, muss sie notwendigerweise danach streben, weitere Frei-
heit zu generieren. Wie Simmel ferner geschrieben hat, tritt hier
das „Moralprinzip der Freiheit“ hervor, das folgendermaßen lautet:
„Handle so, daß die von dir geübte Freiheit zusammen mit der, die
dein Handeln den Anderen lässt oder bereitet, ein Maximum ergiebt“
(GSG 4, 246). Und in seiner letzten Schrift stellt er die folgende Be-
hauptung auf: „Die Freiheit des Menschen hat ihr Symptom darin,
daß er den andern die Freiheit gibt“ (GSG 20, 109). Anders ausge-
drückt besteht der Zweck der Freiheit demnach in der Befreiung der
Anderen.
In dieser Dynamik wird das, was ins Dasein gebracht wird und dem
eine Form verliehen wird, davon befreit, zu einem zu manipulieren-
den Objekt zu werden. Die dritte Bewegung setzt einen Verlust vor-
aus: Es geht nicht um ein Aufgeben, sondern um eine Bewegung der
Freiheit, die die Entfaltung anderer Freiheit ermöglicht.
Aus unseren empirischen Erhebungen12 geht hervor, dass es generative Or-
ganisationen und Initiativen gibt, die die Befähigung der eigenen Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter, die Förderung ihrer Projekte sowie die Investi-
tion in die Zukunft berücksichtigen, und so dynamische und offene Formen
12 Hierbei beziehe ich mich auf das
in Fußnote 10 erwähnte Forschungs-
projekt zur ,sozialen Generativität‘.
Der Zweck der Freiheit liegt in der Befreiung der Anderen.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 2:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 267
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven