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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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217 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten die signifikante Hemmung des rastlosen Dranges triebhaften Genießens, um die Zivilisierung der Bindungen zu ermöglichen, die die Menschen einen), tendiert hingegen jener des Kapitalisten dazu, jede diskursive Form zu zersetzen. Er tut dies, indem er das Subjekt als reines Triebsubjekt, das zum einsamen Genießen drängt, affirmiert, jegliche Hemmung des Genießens auflöst und somit zum Genießen als der neuen und einzig möglichen Form eines sozi- alen Gebotes ermuntert. Das Blendwerk einer Freiheit des Genießens zerbricht jeden symbolhaften Sinn der Grenze. Selbstaufopferung erscheint in einem Regime, das auf den maßlosen Imperativ vom „Konsum des Konsums“ gründet, völlig wider- sprüchlich. Der Verzicht auf unvermitteltes Genießen – gemäß der klassi- schen weberianischen These, die von Freud in „Das Unbehagen in der Kul- tur“ wieder aufgenommen wurde – verwandelt sich auf höhnische Art und Weise in eine allgemeine Proletarisierung und eine diffuse Prekarisierung. Mangelndes Genießen führt zu einer unbegrenzten Gier, anstatt dass es die ethische Bedingung von Profit bildet. Dies bedeutet, wie Lacan in sei- ner „Mathematisierung“ des Diskurses des Kapitalisten vorschlägt, das gebarrte Subjekt2 in die Position des „Agens“ zu setzen, d.  h. in jene Posi- tion, welche die spezifische Orientierung oder die zugrunde liegende Rich- tung eines Diskurses definiert. Anders als im Diskurs des Herrn, in wel- chem durch die Wirkung des Signifikanten ein Mangel erzeugt wird, der dem Subjekt einen Verlust an Genießen aufzwingt und es dafür symbolisch in den Diskurs der Kultur einschreibt, drängt im Diskurs des Kapitalisten der Mangel zwanghaft zu jenem Konsum, mit dem die tödliche Macht des Signifikanten verdrängt werden soll. Das unbegrenzte Angebot an Objek- ten des Genießens, das der Markt anbietet, ermöglicht eine scheinbare Er- weiterung der Freiheit des Genießens. Aus diesem Grund setzt Lacan bei der Formulierung dieses Diskurses das gebarrte Subjekt in die Position des Agens: Es ist nicht mehr das Ideal, das die sozialen Bindungen zusammen- führt und orientiert. Es ist nicht mehr die Interdiktion durch das Gesetz, die das Recht auf Bürgerschaft aufrechterhält. Im Zentrum – also in einer do- minanten Position – steht die dauerhafte Hektik des gebarrten Subjektes, das unstillbar nach Objekten giert, die die Spaltung überwinden können. Aber die eigentliche List des Diskurses des Kapitalisten besteht darin, dass er Objekte produziert und auf den Markt bringt, die die Nachfrage nicht Im Zentrum steht die dauerhafte Hektik des Subjektes, das unstillbar nach Objekten giert. 2 In der lacanschen Perspektive ist das Subjekt durch eine Spaltung oder eine Teilung geprägt: Es geht um ein sujet divisé (ein gespaltenes Subjekt), das mit einem durchge- strichenen großen S, also mit $, symbolisiert wird. Die Barre, welche das S durchkreuzt, steht für die in- nere Differenz des Subjekts, die sich im Wesentlichen der Dimension der Sprache und des Verbots (d.  h. dem Symbolischen) verdankt. Dadurch ist das Subjekt sich selbst immer auch fremd und nie völlig selbst-präsent bzw. sich selbst in seinen Wünschen und Ängsten nie ganz durchschau- bar. Es ist ein Subjekt, das nicht Herr im eigenen Haus und durch einen Mangel geprägt ist.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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