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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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219 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten Hyperaktivität, Infernalität, Unerträglichkeit und Geschwindigkeit defi- nieren für Lacan die manische Grundlage dieses Diskurses. Nicht zufällig beschrieb er im Interview Télévision (1974) das Manische als „Ablehnung des Unbewussten“. Der vom Diskurs des Kapitalisten bestimmte Mensch ist als ein manisches Subjekt ein Mensch ohne Anerkennung des Unbewussten. Seine perma- nente Erregung, sein Eilen ohne Pausen, Diskontinuitäten, Abwesenhei- ten, in ständiger Beschleunigung, ständig überhitzt: Das alles definiert ein tragisches Gemisch aus fortdauernder Volatilität der Gadget-Objekte und jener todbringenden Tendenz, welche die psychopathologische Chiffre der Manie offenbart. Das Todesgespenst umspannt die manische Euphorie und ihren scheinbaren Überschwang. Der Höllenritt des kapitalistischen Diskurses – seine grundsätzliche Hyperaktivität – enthält im Kern einen verrückten Nihilismus, der zur Zerstörung jedes möglichen Gemeinwe- sens führt. Jede Form von Bindung wird abgelehnt, weil die Kastration als symbolisches Prinzip abgelehnt wird, das jede soziale Bindung begründet. Aus diesem Grund unterhält der Diskurs des Kapitalisten eine Bindung, die jeder Bindung widerspricht. Diese „Bindung“, die Bindungen zerstört, hat zwei Eckpfeiler. „Was den Diskurs des Kapitalismus heraushebt, ist die- ses  – die Verwerfung außerhalb aller Felder des Symbolischen [...]. Verwer- fung von was? Der Kastration“ (Lacan 2013, 89). In diesem Fall bedeutet „Verwerfung der Kastration“, dass die Maschine des Diskurses des Kapitalisten nicht auf dem symbolischen Verfahren der Verdrängung gründet, also auf der Aktivität des großen Anderen, sondern auf dessen Ablehnung. Der Mangel und das Begehren, welche Auswirkun- gen der Verdrängung sind, die von der Sprache eingeführt wird, werden unterdrückt. Ohne irgendein Gesetz läuft das Genießen über; es koppelt sich nicht an ein Begehren, sondern drängt in nihilistischer Weise auf die Vergeudung des Lebens. Der Diskurs des Kapitalisten ist pure Inkarnation des Todestriebes. Insofern erscheint er als ein Diskurs an der Grenze des Diskurses: Wenn die Kastration für die Psychoanalyse die Art und Weise ist, die symbolische Funktion des Gesetzes auszusagen (welches als solches die Aufgabe hat, das Begehren zu humanisieren), besteht der inhumane Charakter des Diskurses des Kapitalisten nicht nur, wie Marx noch dach- te, in der Reduktion der menschlichen auf tierische Fähigkeiten – in der Hyperaktivität, Infernalität, Unerträglichkeit und Geschwindigkeit definieren für Lacan die manische Grundlage dieses Diskurses.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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