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Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten
nicht auf einen Mangel des Subjektes, weil seine grundsätzliche Leere und
sein kontinuierliches Ersetzt-Werden den eigenen Kreislauf erhalten müs-
sen. Damit die Maschine des Marktes dauerhaft in Bewegung bleibt, ist es
notwendig, dass das Fetisch-Objekt so schnell als möglich sein täuschen-
des Wesen offenbart, um in Metonymie durch ein anderes Objekt ersetzt zu
werden. Das ist jener „infernale“ und „unerträgliche“ Charakterzug, der
„zum Platzen bestimmt ist“. Der Diskurs des Kapitalisten offenbart hierin
seine enge Verwandtschaft mit dem Todestrieb.
Und es ist auch das grundsätzliche Paradoxon, das diesen Diskurs prägt.
Einerseits verspricht er das Glück auf Erden, indem er das Reale der Kas
tra-
tion verwirft (und sich selbst als Heiler der Spaltung des Subjektes anbie-
tet), anderseits lässt er das Reale wieder zum Vorschein kommen in Form
einer Wiederholung bar einer Befriedigung im Konsum von allem. Das er-
weist sich als völlig todbringend. Der eigentliche Konsum im Diskurs des
Kapitalisten ist losgelöst vom Begehren des Subjektes. Es ist ein Konsum
bar jeder Befriedigung. Und ein Konsum des Konsums. Ein Konsum bis zur
Erschöpfung. Bis zum Tod des Subjektes.
Übersetzung aus dem Italienischen
von Moritz Windegger und Isabella Bruckner
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 2:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 267
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven