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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Seite - 239 -
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240 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden leichter das Versprechen einlösen, traditionelle (konservative) Werte in Tei- len der Bevölkerung zu schützen. Zusätzlich verspricht eine gesellschafts- konservative Politik unmittelbare wirtschaftliche Vorteile für die weißen US- Männer: Konzentrieren sich Frauen wieder auf ihre Rolle als Mütter und Hausfrauen, wird Abtreibung wieder strafrechtlich verfolgt, werden Ehen nur als heterogene Geschlechtsgemeinschaften akzeptiert und rechtlich (finanziell) bevorzugt, wird Zuwanderung aus Gründen der nationalen Si- cherheit streng kontrolliert, verändern sich die Knappheitsverhältnisse auf den Arbeitsmärkten zugunsten der zum Handkuss gekommenen weißen US- Männer. Sie werden als „breadwinner“ wieder gebraucht, weil weniger von den „anderen“ verdrängt. Sie können wieder stolz auf ihr Land sein, genau das, was Trump mit seinem Wahlslogan „Make America great again“ ver- sprach und nun dabei ist umzusetzen. Für Winkler (2017) ist es diese Kom- bination von soziokulturellen und ökonomischen Faktoren, welche den Sieg Trumps und die Niederlage der gesellschaftsliberalen Elite erklärt. Für die- se war der Rückgang der amerikanischen Industrie durch den Einsatz ar- beitssparender Technologien und die Verlagerung der Produktion ins billi- gere Ausland sowie die wenig kontrollierte Zuwanderung aus dem Ausland „alternativlos“, weil Ergebnis der weltwirtschaftlichen Entwicklung.3 Den von dieser Entwicklung „Abgehängten“ versprach Trump eine Alternative: den nationalen Kontrollverlust wegen der internationalen Angebotspolitik durch Abschottung gegenüber dem Ausland wieder wettzumachen. Schließlich erwähnt Winkler die globale Finanzkrise 2007/2008 und die anschließende große Rezession 2009 als Verstärker für die Akzeptanz wirtschaftsnationalistischer Politik. Der Beinahe-Kollaps des globalen Finanzsystems und die anschließenden Realeinkommens- und Wachs- tumsverluste gerade in den hoch entwickelten Ländern haben erstens das Vertrauen in das marktwirtschaftliche System auch bei jenen Einkommens- schichten erschüttert, die bisher immer davon profitiert hatten. Zweitens hat die Politik im Angesicht des drohenden Untergangs des Finanzsystems zu „Rettungsmaßnahmen“ gegriffen, die den Grundsätzen neo liberaler Wirtschaftspolitik fundamental widersprachen. Die milliardenschwere staat- liche Bankenrettung und die billionenschwere unkonventionelle Geldpo- litik haben zwar den Kollaps verhindert, aber die politische Elite und die mediale Öffentlichkeit können nicht mehr uneingeschränkt die weltweite Trump versprach den von der weltwirtschaftlichen Entwicklung „Abgehängten“ eine Alternative. 3 Es ist darauf hinzuweisen, dass für die Inaktivität der US-Präsi- denten vor Trump gegenüber den negativen nationalen Beschäfti- gungsfolgen der Globalisierung auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Weltmarktöffnung in den USA ver- antwortlich war.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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