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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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245 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden zierte Mehrheit identifiziert sich mit der (unteren) Mittelklasse. Zusätzlich, aber nicht ausschließend können sich die Mitglieder sowohl der Elite wie auch der Mittelklasse mit der breiteren sozialen Kategorie der „Nation“ (z.  B. „Amerikaner“) identifizieren. Wie Shayo (2009) nehmen Grossman und Helpman (2018) an, dass der nicht-materielle Nutzengewinn aus der individuellen Identifizierung mit einer sozialen Gruppe bestimmter Kate- gorie mit dem vermuteten Status dieser Gruppe steigt. Den Gruppenstatus messen die Autoren anhand des Lebensstandards (Lohneinkommens) des durchschnittlichen Gruppenmitglieds. Die psychologischen Kosten der Iden- tifizierung nehmen dagegen mit dem Abstand der eigenen ökonomischen und kulturellen Charakteristiken des Individuums vom prototypischen Bezugsgruppenmitglied zu. Hierbei kommt die kognitive Dissonanz zum Tragen, die auftritt, wenn man sich mit jemandem identifizieren soll, der anders als man selbst ist. Was das politische System betrifft, unterstellen Grossman und Helpman (2018) zwei Parteien (wie typisch für die USA) mit fixen ideologischen Kon- zepten. Die Individuen in ihrer Funktion als Wähler und Wählerin unter- scheiden sich in ihrer Präferenz für eine der beiden Parteien. Im Wahlwett- bewerb nutzen die Parteien die Außenhandelspolitik, nämlich die Höhe eines Wertzolls auf das eingeführte Produkt, um damit um Wählerstimmen zu konkurrieren. Ein Individuum wählt eine Partei, wenn die Präferenz für die vorgeschlagene Handelspolitik dieser Partei die Präferenz für die ideolo- gische Konzeption der rivalisierenden Partei überwiegt. Im sozialen Iden- titätsgleichgewicht konvergieren beide Parteien in Bezug auf die Höhe des Einfuhrzolls. Für die Zwecke dieser Arbeit ist zentral, ob sich durch die Einbeziehung so- zialer Identitäten und der Selbst-Kategorisierung der Individuen die Außen- handelspolitik ändert. Dazu ist zunächst festzustellen, dass in der oben be- schriebenen Marktwirtschaft eines kleinen Landes ohne soziale Identifizie- rung der wohlfahrtsmaximierende Zoll immer gleich Null ist, d.  h. komplett freier Außenhandel ist wohlfahrtsmaximal. Wirtschaftsfreiheit im Inland und zwischen In- und Ausland ist für das Gemeinwohl dieses Landes am bes- ten. Das ändert sich, wenn die Individuen die Nutzen und Kosten sozialer Identifizierung in ihrem Nutzenkalkül mit berücksichtigen. Um das Warum und Wie verständlich zu machen, führen Grossman und Helpman (2018, 3) ein Identifikationsregime ein, das eine Liste aller sozialen Bezugsgruppen, mit denen sich die Bewohner des kleinen Landes identifizieren, darstellt. In dem einfachen Modell mit zwei Typen von Individuen gibt es nur vier Identifi- kationsregimes: Höher qualifizierte Individuen können sich mit der Elite einen Importzoll die Preise der Importgüter sinken und das Inland dadurch einen Wohlfahrtsgewinn verzeichnet. Das hat zur Folge, dass zollfreier Freihandel für das Inland nicht mehr wohlfahrtsmaximierend ist und die Effekte der Identitätspo- litik nicht mehr so klar hervortreten. Um diese Effekte möglichst klar darstellen zu können, folgt der Autor Grossman und Helpman (2018), die mit Blick auf die USA mit dem Mo- dell einer kleinen offenen Volkswirt- schaft argumentieren. Das schränkt die Anwendbarkeit dieses Modell zur Erklärung des neuen US-Protek- tionismus jedoch nicht wesentlich ein, weil der Terms of Trade-Effekt nur die ökonomische, nicht aber die psychosoziale Erklärung der Wäh- lerpräferenz für Protektionismus ändert.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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