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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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250 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden Ihresgleichen identifizieren. Weil mit höherem Zoll die Lohnungleichheit sinkt, ist im Nutzenmaximum der Zollsatz größer als Null und sogar größer als beim Inlandspreis p(1,1), wenn der Bevölkerungsanteil der höher Qua- lifizierten nicht zu groß ist. Ähnlich geht die Argumentation beim Iden- tifikationsregime (0,1). Bürger und Bürgerinnen votieren also für außen- wirtschaftliche Protektion, wenn die Identifikation (über die Nation) mit der anderen sozioökonomischen Gruppe psychische (Dissonanz-)Kosten verur- sacht. Nun komme es zu einem Wandel in der Selbstidentifikation der geringer Qualifizierten, und zwar so, dass die geringer Qualifizierten, die sich vorher mit der gesamten Nation identifiziert hatten, sich nur mehr mit dem Proto- typen der Arbeiterklasse identifizieren. Das Identifikationsregime wechselt von (1,1) zu (1,0). Die höher Qualifizierten werden als „korrupte Elite“ pun- ziert, mit der sich die untere Mittelklasse nicht mehr identifizieren kann. Die Einführung arbeitssparender Technologien (IT und Roboter) oder ein ge- ringerer Weltmarktpreis wegen billiger Auslandskonkurrenz (einzeln oder zusammen) lösen diesen Wechsel im Identifikationsregime aus, der einen diskreten Sprung im optimalen Zollsatz induziert. Vor dem Regimewechsel erreicht die aggregierte Nutzenkurve ein globales Maximum beim Inlandspreis p(1,1). Wenn z.  B. neue Technologien die Ar- beitsproduktivität erhöhen, verschiebt sich die (1,1)-Kurve nach unten und leicht nach rechts, wie die strichlierte Kurve (1,1)‘ unterhalb der (1,1)-Kur- ve in Abb. 1 zeigt. Dabei liegt der Hochpunkt der (1,1)-Kurve nur knapp über dem Hochpunkt der (1,0)-Kurve. Nach der Verschiebung der (1,1) Kurve nach unten wird der Hochpunkt der (1,0)-Kurve zum globalen Maximum. Anstelle einer kleinen Anhebung des Zollsatzes, wenn das globale Maxi- mum auf der (1,1)‘-Kurve zu liegen käme, wird nun der Zollsatz von der Politik sprunghaft von    t(1,1)  =  [p(1,1)–q]/q    auf    t(1,0)  =  [p(1,0)–q]/q    er- höht, um dem Wechsel in der sozialen Identifizierung der geringer Quali- fizierten Rechnung zu tragen, und das, wenn der Anteil der höher Qualifi- zierten an der Bevölkerung nicht zu groß ist. Denn es sind zwei gegenläufige Kräfte am Werk: Einerseits erzielt die Gruppe der geringer Qualifizierten keinen Nutzengewinn mehr aus der Identifizierung mit der Nation als Gan- zem, was den Umverteilungsnutzen einer Zollerhöhung verringert, ande- rerseits fallen nun die psychischen Dissonanzkosten der Identifizierung mit Was passiert, wenn sich die geringer Qualifizierten nicht mehr mit der gesamten Nation, sondern nur mehr mit dem Prototypen der Arbeiterklasse identifizieren?
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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