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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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254 | www.limina-graz.eu Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden der sich mit Reichen identifiziert. Als Konsequenz werden die Erwartun- gen über die eigenen Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen, polarisierter und der Umverteilungskonflikt im Vergleich zur Welt ohne Identifizierung heftiger. (2) Ökonomische Schocks können die Identifikation ändern, indem Polarisierung in neuen Dimensionen auftritt, während sie entlang bisheri- ger Dimensionen abnimmt. Beispielsweise kann ein Globalisierungsschock (das bevölkerungsreiche China öffnet sich gegenüber dem Weltmarkt) in- dividuelle Interessen anders häufen als bisher: statt Arm-Reich zu für oder gegen Globalisierung. Der politische Streit über Umverteilung geht zurück, derjenige über Globalisierung wird heftiger. Wie die Ergebnisse der Präsidentenwahlen in den USA vor mehr als zwei Jahren und in Brasilien vor kurzem zeigen, gesellt sich zu diesem zwei- dimensionalen Konflikt noch eine dritte Dimension: nämlich ein „Kultur- kampf“ der gesellschaftspolitisch „Progressiven“ mit den gesellschafts- politisch „Konservativen“. Es ist dieser dreidimensionale politische Kon- flikt, den Gennaioli und Tabellini (2018, 23–24) in einem probabilistischen Wahlmodell einer kleinen6 offenen Volkswirtschaft ähnlich jener von Grossman und Helpman (2018) untersuchen, aber mit dem Unterschied, dass individuelles Einkommen, Einstellung zum Außenhandel und die Erfolgschancen progressiver Kulturpolitik zufallsabhängig sind. Überdies verfügt die Regierung neben dem Zollsatz noch über zwei weitere Politik- instrumente: nämlich den Lohnsteuersatz und einen Politikparameter, der den Grad der „Progressivität“ bürgerlicher Rechte indiziert: Je größer der Parameter, desto liberaler ist die Gesellschaftspolitik. Die Individuen unterscheiden sich danach, woher ihre Einkommen stam- men. Erstens, jedes Individuum verdient ein zufallsabhängiges und zu ver- steuerndes Lohneinkommen aus der Beschäftigung im Exportsektor. Zwei- tens, jedes Individuum erhält ein steuerfreies Einkommen aus dem Ange- bot eines Faktors, der auch im importsubstituierenden Sektor Beschäftigung finden kann, und zwar mit einer je nach Individuum unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit, die von einem Parameter abhängt, der die Konkurrenz- intensität im importkonkurrierenden Sektor angibt. Den Typ eines Wäh- lers oder einer Wählerin bildet der stochastische Vektor des individuellen Einkommens, der Handelsoffenheit und kulturellen Progressivität ab. Das typische Individuum erzielt materiellen Nutzen aus dem Konsum des pri- vaten Export- und Importgutes und eines öffentlichen Gutes (Infrastruk- tur). Als drittes Element in der Nutzenfunktion scheint die Präferenz für ge- sellschaftsliberale bürgerliche Rechte auf. Die Individuen sind sich über die Konsequenzen einer Ausweitung bürgerlicher Rechte unsicher, und ihre ge- 6 Die im Text nachfolgenden Über- legungen gelten im Wesentlichen auch für große offene Volkswirt- schaften wie die USA. Siehe die Ar- gumente in Fußnoten davor.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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