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Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung?
Vorstellungen (im vorliegenden Kontext in Hinblick auf das Segnen) erneut
zu hinterfragen. Was bedeutet es überhaupt, einen Segen auszusprechen?
Was passiert beim Segnen eigent
lich? Braucht es dafür ein menschliches
Subjekt, das segnet? Liegt der Fokus auf der/dem „Segnenden“ oder auf
der/dem „Gesegneten“? Konkret geht es also um die inhaltliche Ausein-
andersetzung mit dem theologischen Konzept des Segnens, das jedenfalls
von einem segnenden Subjekt ausgeht (vgl. Priebe 2017).
An den Universitäten Siegen und Würzburg wurde infolgedessen eine Stu-
die durchgeführt, um die Benutzererfahrung und Akzeptanz im Zusam-
menhang mit dem Einsatz von BlessU-2 zu untersuchen. Die Forschungs-
ergebnisse lieferten wertvolle Einblicke in die Wahrnehmung und Reaktion
der Menschen auf den humanoiden Segensroboter. Die meisten Kommen-
tare von Teilnehmer*innen, die mit dem Roboter interagiert hatten, fielen
positiv aus (51 Prozent), 29 Prozent waren neutral und 20 Prozent negativ.
Obwohl nur eine Minderheit der Teilnehmer*innen negative Rückmeldun-
gen gab, deuten die Analysen des Forscher*innenteams darauf hin, dass
sich die Menschen bei der Interaktion mit dem Segensroboter etwas selt-
sam fühlten. Der bevorzugte Einsatz von digitalen Techniken im religiösen
Kontext liegt gegenwärtig eher auf der Erhöhung der Reichweite religiöser
Institutionen und Mitarbeiter*innen oder in der Bereitstellung von techni-
schen Diensten, wenn es keine Alternative gibt, als im Einsatz eines „seg-
nenden Subjekts“ (vgl. Löffler/Hurtienne/Nord 2019).
Humanoide Roboter sind wie Menschen – nur ohne Bedürfnisse
Es ist interessant zu beobachten, dass bei der Fertigung von mit Künstli-
cher Intelligenz ausgestatteten sozialen Robotern der Anthropomorphis-
mus das dominierende Entwurfsmuster zu sein scheint. Doch warum wird
im Design von Social Robots auf humanoide Roboter gesetzt?
Ein Antwortversuch: Die Rückbesinnung auf den Körper (z. B. als Austra-
gungsort der Individualität und einer damit einhergehenden [Selbst-]In-
szenierung auf Social Media) spielt im digitalen Zeitalter eine große Rolle.
„Die gegenwärtigen Entwicklungen der Digitalität, Virtualität und Me-
dialität führen […] keineswegs zu einer Entkörperung oder einer sinken-
Die Rückbesinnung auf den Körper im digitalen Zeitalter
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven