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Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung?
den Relevanz des Körpers: Vielmehr muss der Körper inzwischen als ver-
körpertes Identitätsziel gelesen werden.“ (Pirker 2019, 52)
Inwiefern dieses Wissen um die Bedeutung der (menschlichen) Körper-
lichkeit in der digitalen Welt auch die Roboter-Entwickler*innen leitet,
muss an dieser Stelle offen bleiben. Eine andere Überlegung wäre, dass im
Rahmen der sozialen Interaktion der Zugang zum technischen Gegenüber
dadurch erleichtert wird, wenn man sich mit diesem in gewisser Weise
„identifizieren“ kann.
Ein prominentes Beispiel für einen humanoiden Roboter ist Sophia, her-
gestellt vom Robotik-Unternehmen Hanson Robotics (Abb. 2).4 Die Erfin-
der*innen bezeichnen „sie“ als „hybrid human-AI intelligence“ (Hanson
Robotics 2020). Mit Sophia kann man sich gehaltvoll unterhalten, wie in
diversen Videoaufzeichnungen von ihren Auftritten in verschiedenen Talk
Shows und Konferenzen ersichtlich wird, sie singt, zeichnet und man kann
ihr sogar auf Instagram folgen. In diesem Zusammenhang stellen sich nun
einige Fragen: Werden Roboter mit KI den Menschen irgendwann in allen
Belangen ersetzen (können)? Können wir Social Robotics als menschenähn-
liche oder gar menschengleiche Gegenüber annehmen?
Was bleibt vom Menschen, wenn humanoide Roboter wie Sophia noch
„menschlicher“ werden? Kann unser „Menschsein“ eins zu eins auf den
Roboter übertragen werden? Die ersten Beziehungen und Eheschließun-
gen zwischen Mensch und Roboter gibt es bereits. Worin besteht ihr Vor-
teil? Ein Erklärungsansatz könnte sein, dass mit KI ausgestattete Roboter
ausschließlich die Funktion des Dienenden übernehmen und selbst nicht
nach Anerkennung streben (vgl. Potschka 2020). Letzteres ist hingegen ein
genuin menschliches Bedürfnis, das zu den anthropologisch-psychologi-
schen Grundkonstanten sozialer Beziehungen gehört (vgl. Friebus-Gergely
1995).
Digitale Kränkung als chancenreiche Krise
Die Rede von der digitalen Kränkung des Menschen bietet die Chance, in-
nezuhalten und die conditio humana im digitalen Zeitalter des 21. Jahrhun-
derts neu zu entdecken. Einige Anhaltspunkte, wie dies angesichts der di-
gitalen Kränkung möglich ist, werden im Folgenden dargelegt.
4 Das Robotik-Unternehmen Han-
son Robotics wurde von David Han-
son im Jahr 2013 in Austin, Texas
(USA) gegründet und hat seinen Sitz
im Science Park in Hongkong.
Abb. 2: Sophia, Hanson Robotics
Foto: Hanson Robotics Limited
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven