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Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung?
Der technologische Fortschritt im Bereich des Digitalen macht die Ent-
wicklung von Digitalkompetenz notwendig, damit der Einzelne dem di-
gitalen Zeitalter nicht ohnmächtig gegenübersteht und am Arbeitsmarkt
oder im sozialen Bereich von „Digitalisierungsprofis“ abgehängt wird. Um
einer dahingehenden Spaltung innerhalb der Gesellschaft nachhaltig vor-
zubeugen, braucht es eine klare politisch-gesellschaftliche Entscheidung
und umfangreiche Bildungs- und Informationsangebote zur Stärkung des
Digital Empowerment. Der Einzelne ist dabei zu unterstützen, sich Tech-
niken der Digitalisierung anzueignen sowie zu verstehen, wie die digita-
le Transformation und damit einhergehende komplexe Zusammenhänge
die eigene Lebenswelt, die Gesellschaft und die Weltgemeinschaft prägen.
Nicht zuletzt gilt es, die Fähigkeit zu entwickeln, das Digitale einerseits
sinnvoll einsetzen und sich andererseits gestalterisch in Digitalisierungs-
prozesse einbringen zu können.
Angesichts der Tatsache, dass der digitale Bereich hauptsächlich von pri-
vaten Akteuren wie den IT-Riesen Facebook oder Google finanziert und be-
stimmt wird, stellt sich berechtigterweise die Frage, inwieweit der Einzelne
bzw. die Gesellschaft überhaupt noch die Möglichkeit hat, die digitale Welt
aktiv mitzugestalten.
Die Gestaltung der digitalen Zukunft darf jedenfalls nicht den digitalen
Großkonzernen oder den einzelnen Fachdisziplinen überlassen werden.
Vielmehr ist jede*r Digital Immigrant und Digital Native dazu aufgefordert
und zu ermutigen, sich am digitalen Gestaltungsprozess und an den Dis-
kursen zu beteiligen, wenn es etwa um die Frage geht, wie wir in Zukunft
leben wollen. Um die rasante technologische Entwicklung menschlich zu
gestalten, bedarf es zudem einer Verständigung über anzuwendende Nor-
men und Handlungsanleitungen im Zuge der Etablierung einer digitalen
Ethik. Folglich muss es das Ziel sein, über technologische Entwicklungen
nachzudenken, bevor sie eintreten, und vorab eine Debatte über soziale,
kulturelle und ethische Auswirkungen neuer digitaler Techniken in Gang
zu setzen und auch darüber zu diskutieren, welche Werte in Systeme ein-
gebettet werden sollten.
Jede*r Digital Immigrant und Digital Native ist dazu aufgefordert,
sich am digitalen Gestaltungsprozess zu beteiligen.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven