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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
Ein anderes Projekt, welches in eine ähnliche Richtung geht, sind die von
Hanna Fry beschriebenen und von David Cope durchgeführten Experimen-
te zu musikalischer Intelligenz. Die von Algorithmen komponierten Ergeb-
nisse konnten von der Mehrheit der Zuhörer:innen nicht mehr von einem
(weniger bekannten) Original Johann Sebastian Bachs und einer Komposi-
tion eines Musikprofessors unterschieden und als maschinell komponiert
eingeordnet werden. Es ist also gelungen, die Zuhörerschaft zu „täuschen“
(Fry 2020, 222).
Hat die Maschine also bewiesen, dass sie über kreative Fähigkeiten verfügt?
Dazu ist es erforderlich, nochmals kurz anzureißen, wie dieser konkre-
te Algorithmus funktioniert. David Cope stand zu Beginn vor der Heraus-
forderung, die Musik Bachs in etwas zu übersetzen, womit die Maschine
arbeiten kann. So teilte er jeder einzelnen Note fünf Parameter zu, die in
einer Datenbank erfasst wurden. Diese waren Einsatzpunkt, Klangdauer,
Tonhöhe, Lautstärke und Instrument. Diese Daten gab Cope händisch in die
Datenbank ein und analysierte im nächsten Schritt jeden einzelnen Takt.
Dabei erstellte er eine weitere Datenbank, in der die je auf eine angespielte
Note folgende Note hinterlegt wurde, sodass dem Algorithmus eine voll-
ständige Liste aller Tonfolgen in Bachs Musik zur Verfügung stand. Dann
startete Cope das Programm, indem er einen Akkord eingab und das Sys-
tem anwies, den Akkord nachzuschlagen und aus der Liste zufällig einen
neuen Akkord auszuwählen, der daraufhin gespielt wird und zum neuen
Ausgangspunkt wird. Final lag eine Komposition vor, die klingt, als hätte
sie Bach geschrieben (vgl. Fry 2020, 224–225). Geht es nach Cope, ist es
tatsächlich eine Bach-Komposition:
„Bach hat alle Akkorde komponiert. Das ist so, als würde man Parme-
sankäse reiben und dann versuchen, ihn wieder zusammenzusetzen. Es
wäre am Ende immer noch Parmesankäse.“ (Fry 2020, 225)
Ob nun Maschinen als kreativ gelten können, ist davon abhängig, was man
als Kreativität definiert. Sofern die Rekombination von Einzelelementen
und Kunststilen als Kreativität gilt, so kann eine KI unter den richtigen
Vor aussetzungen dies leisten:
Hat die Maschine bewiesen, dass sie
über kreative Fähigkeiten verfügt?
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven