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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
So ein Künstliches Neuronales Netzwerk könnte beispielsweise genutzt
werden, um Katzenbilder zu erkennen. Zur Vereinfachung nehmen wir
nur Graustufen-Bilder an. Als Input erhält das Programm eine Reihe von
Zahlen, die bei „1“ ein weißes Pixel, bei „0“ ein schwarzes Pixel und bei
einem Wert dazwischen den jeweiligen Grauton repräsentieren. Als Out-
put erhält man idealerweise den Wert „1“, wenn es sich um ein Katzenbild
handelt, und den Wert „0“, wenn das nicht der Fall ist. Da das Ergebnis des
Outputneurons allein von der Verbindungsstärke der Neuronenschichten
untereinander abhängt, würde ein geeignet strukturiertes und großes KNN
lediglich die richtige Kombination an Verbindungsstärken benötigen, um
mit probater Sicherheit Katzenbilder richtig zu erkennen (vgl. Kipper 2020,
16–17).
Doch wie soll man dem KNN die richtige Kombination an Verbindungs-
stärken beibringen? Aufgrund der schieren Anzahl an benötigten Knoten-
punkten und Verbindungen ist dies durch menschliches Ausprobieren de
facto unmöglich. Es ist aber möglich, das Künstliche Neuronale Netzwerk
zu trainieren, sodass es die richtige Kombination erlernen kann. Dabei
werden im Normalfall die Verbindungsstärken randomisiert und dem KNN
Bilder gegeben, von denen bereits bekannt ist, ob sich darauf Katzen be-
finden oder nicht. Je nachdem, ob das KNN nun ein Bild richtig oder falsch
einordnet, wird nun Feedback gegeben. Da das Outputneuron auch Werte
zwischen „0“ und „1“ ausgeben kann, kann man dem KNN mitteilen, um
wieviel der Output vom gewünschten Ergebnis abwich. Diese Rückmeldun-
gen erlauben es dem Programm, zu errechnen, welche Verbindungsstärken
angepasst werden müssen, um die durchschnittliche Abweichung vom ge-
wünschten Ergebnis zu senken. Dieser Prozess kann nun so oft wiederholt
werden, bis das zuvor noch zufällige Ergebnisse ausgebende KNN mit gro-
ßer Sicherheit auch unbekannte Bilder korrekt einordnen kann (vgl. Kipper
2020, 17).
Auf Basis dessen kann einem Künstlichen Neuronalen Netzwerk, welches
wie beschrieben das Fundament einer KI im modernen Sinne ist, abver-
langt werden, dass es aus einer großen Menge an Daten Gemeinsamkeiten
findet und diese dann ausgibt, ohne menschliches Feedback erhalten zu
haben. Dies ist bei der Software „AlphaGo Zero“ so geschehen, die statt ge-
gen Menschen gegen sich selbst das komplexe Brettspiel Go spielte und so
innerhalb kürzester Zeit die menschlichen Größen auf diesem Gebiet schla-
gen konnte (vgl. Kipper 2020, 18), oder aber bei einer KI, die aus ungefähr
zehn Millionen zufällig ausgewählten und YouTube-Videos entnommenen
Bildern wiederkehrende Objekte identifizieren sollte. Die KI konnte das Bild
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven