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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Seite - 233 -
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233 | www.limina-graz.eu Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug? die über den Gehör-, Gesichts- oder einen anderen Sinn auf das Subjekt einwirken, gehören bereits durch die Erfahrung dieser Eindrücke auch dem Bewusstsein an (vgl. Stein 1991, 136-137). Empfindungen und Empfindnisse kommen nicht nur dem materiellen Körper zu, sondern sind im Falle eines Subjekts mit dessen Bewusstseinsleben verbunden und dadurch gleichsam Eigenschaften des Subjekts und des Leibes (vgl. Stein 1991, 137). Diese Ver- bundenheit ist – neben der dem Menschen eigenen Freiheit – wesentlich für jegliches kreative Schaffen bis hin zum Kunstwerk. Diese Eigenschaften des Menschen sind dabei nicht auf eine Maschine übertragbar. Ein solches Vorhaben scheitert mitunter schon an der Messbarkeit derselben. Welche Form von Datensatz sollte man denn der Maschine als Grundlage geben? Robert Spaemann versucht diese Besonderheit des Menschseins folgen- dermaßen zu charakterisieren: „Was erscheint in der Subjektivität? Sein, Wirklichkeit. Und zwar gerade deshalb, weil Subjektivität selbst nicht Positivität, sondern Negativität ist, nicht vorfindbares Faktum, sondern Reflexion. Nur in dem, was nicht von der Art des positiven Faktums ist, kann das Faktum erscheinen. Der Mensch ist der Ort der Erscheinung des Seins.“ (Spaemann 2009, 137) Was bedeutet das für die Frage, ob eine Künstliche Intelligenz befähigt ist, ein Kunstwerk zu schaffen? Fazit Teil der Echtheit eines Originals ist, nach Benjamin, neben dessen mate- riellem Bestand auch dessen gesamte Tradition. Diese beginnt aber nicht erst mit dem ersten Pinselstrich oder dem Niederschreiben der ersten Note einer Symphonie, sondern konsequenterweise bereits in der inspirieren- den Erfahrung des Künstlers/der Künstlerin, in der das Kunstwerk seinen Anfang nimmt. Weiters kann die Unvollendete nicht von einer künstlichen Intelligenz „vollendet“ werden, da das Original gerade in seiner Unvoll- endetheit besteht und diese „Unabgeschlossenheit“ Teil der Tradition des Originals und damit seiner Aura ist. Folglich kann die Maschine die Prozes- se dieses konkreten künstlerischen Schaffens nicht fortführen. Wie kann es also sein, dass die Künstliche Intelligenz etwas produziert, das als Kunstwerk eingeordnet werden kann, wenn sie aufgrund ihrer Kons- titution schon keine ursprüngliche Erfahrung haben kann? Ausschlagge-
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
270
Kategorien
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