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261 | www.limina-graz.eu Folgende Aspekte erscheinen uns dabei besonders vielversprechend:
̟ Mahl und Kult sind in vielen Kulturen und in den Weltreligionen
eng miteinander verbunden. Das Wechselspiel von Fest und Fasten,
von Genuss und Verzicht prägt religiöse Gemeinschaften bis heu-
te. Rituelle Mahl-Handlungen – wie Sederabend, Eucharistiefeier
bzw. Abendmahl oder Opferfest – verbinden über den Modus des
gemeinsamen Erinnerns Vergangenheit und Gegenwart, göttliches
Wirken und geschöpfliche Lebenskreisläufe. Nicht selten beziehen
sie sich auch auf eine (endzeitliche) Zukunftsvision. Welche kul-
turellen Transformationen lassen sich hier – sowohl in religions-
spezifischer als auch in interreligiöser Perspektive – beobachten?
In welcher Weise wird Essen und Trinken in den jeweiligen Heili-
gen Schriften einer Religionsgemeinschaft zur Sprache gebracht?
Inwiefern wirken (religiöse) Mahlzeiten inkludierend bzw. exklu-
dierend?
̟ Ernährung nimmt in säkularisierten Gesellschaften mitunter er-
satzreligiöse Züge an und trägt zur Identitätsbildung bei. Fasten-
wochen und Diäten erfreuen sich in einem post-christlichen, west-
lichen Kontext zunehmender Beliebtheit. Unübersehbar sind aber
auch Krankheitsbilder, die ursächlich mit der Ernährung zusam-
menhängen, von Essstörungen (Anorexie, Bulimie etc.) bis Fett-
leibig keit (Adipositas). Wie stellen sich diese Phämonene aus kul-
turwissenschaftlicher, ethischer und theologischer Sicht dar?
̟ Gleichzeitig wirft die wirtschaftliche Globalisierung ein Licht auf
Mangel- und Unterernährung in den Ländern des globalen Südens,
auf das Fehlen einer gerechten Entlohnung für landwirtschaftliche
Produkte und auf Versuche einer gerechteren Ökonomie im Sinn
fairer Güterverteilung und Preisgestaltung, auch für aus anderen
Kontinenten importierte Lebensmittel. Welchen Beitrag können
Religionen und Theologien heute zu diesem Diskurs leisten? Was
bedeutet das globale wirtschaftliche Gefälle für eine postkoloniale
Theologie?
̟ Der Wunsch und das Bestreben nach der Bewahrung der Schöpfung
(vgl. Gen 1–2) ist auch in Diskursen präsent, die sonst keine An-
knüpfungspunkte zu biblischen Texten finden würden. Nachhal-
tigkeitsdebatten und der Aufruf zur Schöpfungsverantwortung ge-
hen oft Hand in Hand. Ethische Fragen des Fleischkonsums sowie
Bewegungen wie Vegetarismus und Veganismus manifestieren ein
Call for Papers – LIMINA 4:2 | Essen - Zwischen heiligem Mahl, Lifestyle-Produkt und Überlebensfragen
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven