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Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik, Band 1
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105Die Interviewten des MSDP | Den höchsten Anteil an Überlebenden, die laut ihren eigenen Angaben vor der Ver- haftung nur eine Grundschulausbildung hatten, finden wir in Spanien mit über 70  Pro- zent, gefolgt von Deutschland, Litauen und Griechenland (jeweils über 60  Prozent). Den geringsten Anteil stellen  – in weitem Abstand zu allen anderen Ländern  – Über- lebende aus Österreich (6,7  Prozent), wo die meisten Überlebenden eine Ausbildung in der Sekundarstufe erreichten (73  Prozent). Die Anteile von Überlebenden, die eine höhere Schule besuchten, sind dagegen in Jugoslawien, Rumänien und Ungarn am höchsten. Der Anteil von Akademikern ist unter den in Italien geborenen Überleben- den mit elf Prozent am höchsten. Berufe «Arbeit macht frei» lautete ein Spruch auf den Toren mehrerer Konzentrationslager, der bereits den damaligen Häftlingen als purer Zynismus erschien.52 Nach Dirk A. Rie- del dienten dieser und ähnliche Sprüche auch dazu, die in der nationalsozialistischen Gesellschaft tief verwurzelten Vorurteile, «die Häftlinge hätten außerhalb des Konzen- trationslagers nicht gearbeitet», zu bestätigen sowie den Gefangenen zu suggerieren, sie könnten sich durch harte Arbeit und strenge Disziplin auf den «Weg in die Freiheit» begeben, wie eine der Losungen in Mauthausen hieß.53 Dass in den Konzentrations- lagern auf die Arbeit verwiesen wurde und nicht auf den Beruf, erklärt sich aus den Logiken der nationalsozialistischen Vorstellungen zu Arbeit und Beruf, die zwei völlig unterschiedliche Konzepte darstellten. Ein Beruf war den Mitgliedern der nationalso- zialistischen Volksgemeinschaft vorbehalten. Einen Beruf zu haben war Pflicht und Dienst an der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Den «Gemeinschaftsfrem- den» und «Fremdvölkischen» wurde das Recht auf einen Beruf abgesprochen ; ihr Sinn und Zweck konnte sich «aufs Arbeiten als Nichtschaffen reduzieren».54 «Kein Jude an eine qualifizierte Arbeit» war, wie Neurath über Dachau und Buchenwald im Jahr 1939 schreibt, «ein oberstes Gesetz» im Lager.55 Aus der Frühzeit der Konzentrationslager sind daher auch viele Berichte über unsinnige, also unproduktive Arbeit überliefert, die nur dazu diente, die Häftlinge zu terrorisieren.56 Im Funktionswandel der Konzen- 52 Im KZ Mauthausen ist der Spruch «Arbeit macht frei» nicht belegt, auch wenn sich manche MSDP- Überlebende daran zu erinnern glauben. Vgl. Maršálek, Geschichte, S. 73. 53 Dirk A. Riedel : «Arbeit macht frei». Leitsprüche und Metaphern aus der Welt des Konzentrationslagers, in : Dachauer Hefte 22 (2006), S. 11–29, hier 23. Siehe auch die Abbildung einer Tafel mit dem vollstän- digen Spruch «Es gibt einen Weg in die Freiheit  …» in : Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten (Hg.) : Das Konzentrationslager Mauthausen 1938–1945. Katalog zur Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Wien 2013, S. 82. 54 Mejstrik et  al., Berufsschädigungen, S. 42. 55 Neurath, Die Gesellschaft des Terrors, S. 62. 56 Siehe dazu Wolfgang Sofsky : Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, Frankfurt a.  M. 31999, S. 193–199. Vgl. auch Eugen Kogon : Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, Mün- Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik Band 1
Titel
Mauthausen und die nationalsozialistische Expansionsund Verfolgungspolitik
Band
1
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Heinrich Berger
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21217-1
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
426
Kategorien
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