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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 133 -
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133Biografische Hintergründe und präkonzentrationäre Identitäten von polnischen Deportierten | In beiden Fragmenten kommen konkrete historische Angaben vor : die Bezeichnung einer Organisation, diverse Jahreszahlen  … Es gibt auch Erzählungen, in denen genaue Bezeichnungen verschiedener Untergrundeinheiten, Namen der Vorgesetzten und der Mitkämpfer genannt werden. Eine solche historische oder faktografische Verdichtung wird jedoch nicht oft beim Aufbau der Erzählung benützt. Viele unserer Gesprächspartner aus dieser Gruppe, wie zum Beispiel Eugeniusz Śliwiński, begnügen sich mit der allgemeinen Feststellung, dass sie «ganz einfach» im Untergrund tätig waren, Zeitungen und Flugblätter austrugen, Informationen weiter- gaben usw. Manchmal gibt es nur eine allgemeine Erwähnung, dass das irgendwelche Strukturen der Pfadfinderbewegung Graue Reihen (Szare Szeregi), der Heimatarmee (Armia Krajowa  – AK), der Nationalen Streitkräfte (Narodowe Siły Zbrojne  – NSZ) waren. Manchmal wird nicht einmal das erwähnt. «Also wissen Sie, mit Waffen hatte ich nichts zu tun. Ich war Melder, ich bekam Nachrichten und überbrachte sie zwischen dem Rayon- und dem Bezirkskommando. Darüber, was pas- sierte, welche Transporte abgingen, wie man die Juden nach Łódź brachte. Dann wussten die im Bezirkskommando das am nächsten Tag. Also das wurde ganz schnell weitergegeben.» Auf meine Frage, wie es dazu gekommen sei, dass er sich im Untergrund engagiert habe, antwortete Śliwiński : «Die Zentrale war in Topola bei Łęczyca, na und dort wurde ich angeworben. Weil ich da wohne, und ohne weiteres kann/ ich habe einen Passierschein, ich kann mit dem Fahrrad hin und her fahren, das war sehr praktisch, na und ich kann Meldungen, Berichte sicher über- bringen. Mit dem Fahrrad war es am sichersten. Und ich hatte ein gutes Versteck, im Rohr unter dem Sattel. Man konnte den Sattel abnehmen, er war hinten angeschraubt, man nahm den Sattel ab und schob die Papiere ins Rohr, und so hat man sie transportiert. […] Die Fahr- räder der Polen waren auf dem Sattelstützrohr gekennzeichnet, mit einem weißen Streifen von etwa 20  cm Breite. So war die Vorschrift, dass die Polen das haben müssen, sonst werden sie bestraft. Und einen Passierschein. [Es handelt sich um den Passierschein der Baufirma, in der er offiziell beschäftigt war. – Anm. PF] So konnte ich mich frei bewegen. Wenn mich die Gendarmen aufhielten, zeigte ich meinen Passierschein.»43 Diese Darstellung ist sehr bezeichnend und taucht in verschiedenen Varianten in vie- len Erzählungen auf. Als Grund für die Aufnahme der Untergrundtätigkeit wird oft die Überredung durch Freunde oder ein Zufall genannt. Viele Interviews zeigen, dass die Erzähler tatsächlich oft zufällig in den Untergrund kamen und dass viele von ihnen völlig naiv waren, was zum Teil auf das jugendliche Alter zurückzuführen ist. Die kaum 43 AMM, MSDP, OH/ZP1/574, Interview mit Eugeniusz Śliwiński, Interviewer : Piotr Filipkowski, Poznań, 1  12. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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