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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 353 -
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353«Sie haben uns die ganze Zeit spazieren gefahren …» | sche Schlechterstellung, äußerliche Kennzeichnung und verschärfte Unterdrückung» der «Ostarbeiter» Tribut gezollt.39 Im Januar 1942 versuchten die Deutschen, mit einer großangelegten Anwerbungs- kampagne, die sich auf die ukrainischen Großstädte Charkow (Charkiw), Donezk, Dnepropetrowsk (Dnipro) und Kiew konzentrierte, vor allem ausgebildete ukrainische Facharbeiter und Facharbeiterinnen für das Reich zu gewinnen.40 Sie bewarben den Arbeitseinsatz, indem sie bessere Versorgung nicht nur der arbeitenden Person, son- dern auch der daheimgebliebenen Familie versprachen, was angesichts des Nahrungs- mittelmangels in der besetzten Ukraine durchaus attraktiv war.41 Als sich  – vor allem durch Briefe der angeworbenen Arbeitskräfte  – herausstellte, dass die Deutschen ihre Versprechen nicht einlösten, sank die Bereitschaft zum Ar- beitseinsatz drastisch.42 Da die Zahlen der angeworbenen ukrainischen Fremdarbeiter und Fremdarbeiterinnen wirtschaftlich bedeutungslos wurden, begann die Zwangs- rekrutierung, die in fast allen verwendeten Interviews thematisiert wird.43 Die ehemalige Zwangsarbeiterin Warwara Gritschenko aus der Nähe von Charkow berichtet über den Übergang von freiwilliger zur Zwangsrekrutierung : «Dann haben sie, als der Krieg begann, angefangen, die Leute mitzunehmen. Zuerst haben sie erklärt, äh, äh  – wer will freiwillig nach Deutschland fahren, zum Arbeiten. Na, freiwillig ist bei uns, glaube ich, niemand gefahren. Und dann haben sie angefangen […] die jungen Leute mitzunehmen, äh, uns  – na, wie, wie soll ich sagen  – gewaltsam, nicht freiwillig.»44 Die deutschen Stellen gaben Anweisungen im Hinblick auf die Zahlen und das Ge- schlecht der zu Rekrutierenden, die auf die einzelnen Dörfer eines Gebiets umgelegt wurden.45 Sie überließen die Rekrutierung selbst der lokalen, mit Ukrainern und Uk- rainerinnen besetzten Administration und der ukrainischen Polizei.46 Gritschenko be- richtet weiter : 39 Herbert, Arbeit und Vernichtung, S. 390 ; vgl. auch ders., Fremdarbeiter, S. 67–131. 40 Vgl. Gelinada Grinchenko : Ehemalige «Ostarbeiter» berichten. Erste Auswertungen eines Oral-History- Projektes aus der Ostukraine, in : Alexander von Plato et  al. (Hg.), Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich, Wien/Köln/Weimar 2008, S. 230–240, hier 231. 41 Penter, Die lokale Gesellschaft im Donbass, S. 198. 42 Müller, Rekrutierung sowjetischer Zwangsarbeiter, S. 238. 43 Golczewski, Local Government, S. 252. 44 AMM, MSDP, OH/ZP1/854, Interview mit Warwara Kalistratowna Gritschenko, Interviewerin : Irina Ostrowskaja, Budy, 14. 11. 2003, Übersetzung, Z. 205–211. 45 Vgl. Golczewski, Kollaboration, S. 175 ; siehe auch ders., Local Government, S. 253. 46 Vgl. ebd., S. 174 ; Pohl, Herrschaft der Wehrmacht, S. 311 ; Müller, Rekrutierung sowjetischer Zwangsar- beiter, S. 239. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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