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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 357 -
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357«Sie haben uns die ganze Zeit spazieren gefahren …» | «Und da am dritten, vierten März, wir sind gerade aufgestanden, plötzlich klopft es aus hei- terem Himmel an der Tür, die Polizei kommt herein : ‹Zieh dich an, der Dienstälteste lässt dich rufen.› Ich wusste schon, was das heißt, weil zuvor bei uns schon die Kommunisten, Aktivisten und Komsomol-Älteren abgeholt worden waren ; schon drei Gruppen Leute hatten sie abgeholt. Na, und sie alle wurden im Neschinskij-Gefängnis erschossen, da wusste ich schon, was los war. Es blieb mir nichts anderes übrig, ich ging dorthin, dort wurden zwölf von uns hingebracht. […] Und sechs Personen : Eine junge Frau und fünf  … na, Männer waren  … drei davon wurden erschossen, und uns, die jüngsten, fünf von 47 wurden aus dem Gefängnis nach Deutschland gebracht. Davor gab es so etwas nicht. Alle, die da waren, sind liquidiert worden.»61 Auch die Erzählung der Partisanin Ljudmila Stanewa, die im Juli 1943 verhaftet wurde, illustriert, dass die deutschen Sicherheitskräfte die politischen Gefangenen zunehmend zur Zwangsarbeit verschleppten. Sie und drei andere wurden von einem Mitglied ihrer Partisanengruppe verraten. Diesem drohte die Deportation zur Zwangsarbeit, und sein Bruder, der bei der Polizei war, hatte ihm versprochen, er könne bleiben, wenn er die lokalen Partisanen verriete. «Sie haben uns hierher [nach Saporoschje] zur Gestapo gebracht und hier haben sie uns ver- hört. Hier haben sie uns verhört und uns nach Belieben geschlagen. Was ihnen in den Sinn gekommen ist, das haben sie auch gemacht. Und als ich schon zum letzten Mal hingekommen bin, haben sie zu mir gesagt : ‹Das ist schon das letzte Verhör für Sie, es wird keine mehr ge- ben. Wir werden Ihnen bekannt geben, was da  …› […] Er fragt : ‹Was gefällt Ihnen besser ? Neun Gramm oder Konzentrationslager.› Und ich wusste ja nicht, was diese neun Gramm bedeuten, das habe ich damals nicht kapiert. Das war, wie sich herausstellte, Tod durch Er- schießen. Ich sage : ‹Mir ist das egal.› Aber er sagt dann : ‹Nein. […] Neun Gramm sind für Sie nicht nötig, Sie werden für uns noch ein bisschen arbeiten. Sie werden ins Todeslager geschickt.› Und Todeslager  – ich habe ja nicht gewusst, was das ist. Nach dem Verhör hat man uns dann nach Dnepropetrowsk gebracht.»62 Auch die Untergrundaktivistin Galina Siwoded, die ebenfalls aus dem Umland von Saporoschje stammte und im März 1943 verhaftet worden war, war im Gestapogefäng- nis in Saporoschje inhaftiert. Genau wie Ljudmila Stanewa brachte man sie nach meh- reren Verhören im April in das Lager bei Dnepropetrowsk63 und von da aus im Sep- tember 1943 nach Mauthausen. 61 AMM, MSDP, OH/ZP1/654, Interview mit Wassili Antonowitsch Kononenko, Interviewerin : Alena Kos- lowa, Moskau, 1. 12. 2002, Übersetzung, S. 3. 62 AMM, MSDP, OH/ZP1/491, Interview mit Ljudmila Dimitrijewna Stanewa, Interviewerin : Alena Kos- lowa, Saporoschje, 25. 9. 2002, Übersetzung, Z. 210–224. 63 Vermutlich handelt es sich hier um das Lager Igren. Vgl. dazu Alexander Prenninger : Das letzte Lager. Evakuierungstransporte in der Endphase des KZ Mauthausen, in : Jean-Luc Blondel et  al. (Hg.), Frei- Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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