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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 368 -
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368 | Imke Hansen «Geholfen zu überleben hat mir/ Ich sage ja, was mir geholfen hat zu überleben : Ich habe mir/ Was für eine Not, was für ein Elend das auch gewesen sein mochte, ja ? So war es auch dort. Wir sind in ein derartiges Schlamassel hineingeraten, diese Freundin und ich. […] Sie hat irgendwie alles ins Scherzhafte gezogen, mit ihr. Sogar als sie uns geschoren haben : Also wir sind herausgekommen, haben uns gegenseitig angesehen und einen Lachanfall bekommen. Wir haben nicht geweint, wir haben nicht zu weinen angefangen, sondern laut gelacht, haben gelacht, wie wir uns angesehen haben.»89 Direkt bevor Dominikija Skiba nach Mauthausen deportiert wurde, verlor sie ihre Weggefährtin und tauschte dabei auch einen Teil des Weges mit ihr : Skiba berichtet, wie ein Deutscher Anna Chatunzewa eines Tages aus der Baracke holte. Sie griff in Eile nach ihrem Kittel, erwischte aber den von Dominikija Skiba. Diese blieb mit dem Kittel von Anna Chatunzewa zurück  – und damit auch mit deren Häftlingsnummer, die auf diesen genäht war. «Ich bleibe zurück. […] Dann kommt der von der Gestapo und liest die Nummern vor, er liest ihre Nummer vor. […] Na, ich werde da nicht vortreten, da ist ja Folgendes, dass ich nicht mitkomme, werde nicht richtigstellen : Also, bitte sehr, sie hätte so und so, und das ist ihres, da stimmt was nicht […] Ich trete mit ihrer Nummer vor. Mit ihrer Nummer trete ich vor. Er verliest diese Nummern und wir treten vor. Er hat uns vortreten lassen, mich mit ihrer Num- mer, sie haben uns verladen und weggefahren. Sie haben uns auf diese Güterzüge verladen und ab nach Mauthausen. Mit ihrer Nummer bin ich in Mauthausen gelandet.»90 Skiba sah ihre Freundin nicht wieder und erfuhr auch nicht, was mit ihr geschah. Sie thematisiert im Interview auch nicht, dass die Freundin möglicherweise nicht überlebt hat. Es ist aber ein häufiges Phänomen, dass Weggefährten, nachdem sich die Wege getrennt haben, in der Erzählung nicht mehr auftauchen oder zumindest mit einer gewissen Distanz behandelt werden. Das spiegelt möglicherweise eine in der Zeit der Verfolgung entwickelte Schutzreaktion wider : Da es während der Verfolgung und ge- rade im Lager angesichts des Kampfes ums Überleben kaum oder keine Kapazitäten fürs Trauern gab, war emotionale Distanzierung eine Möglichkeit, mit der Trennung von nahen Menschen umzugehen. In fast allen Interviews fällt der besondere Stellenwert der Weggefährten in der Er- zählung auf. Fedor Ganitschenko berichtet beispielsweise im Zuge eines ersten Be- richts seiner Verfolgungsgeschichte über seine Ankunft in einem Arbeitslager, in das er von Sachsenhausen aus geschickt wurde : 89 Ebd., Z. 2040–2050. 90 Ebd., Z. 1052–1079. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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