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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 371 -
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371«Sie haben uns die ganze Zeit spazieren gefahren …» | die Tschechen, tschechische Küche […] da war ich wie lange, vielleicht zwei Wochen, mich haben sie aufgefüttert, ich sammelte Kraft.»95 Da hätten sie gesessen, so berichtet er, bis die Deutschen genug Flüchtlinge aus Deutschland aufgesammelt hatten, um einen Transport zusammenzustellen, und er wurde mit 35 oder 36 anderen nach Mauthausen gebracht. Dort lernt Bogdan Sidelnik einen Landsmann aus der Region Lemberg kennen, der ihn in Mauthausen ausfindig machte und ihm jeden Sonntag zwei Liter zusätzliche Suppe brachte. «Wo er sie her hatte, weiß ich nicht. Und ich habe diese Schüssel Suppe, das waren Minimum zwei Liter, mit meinen Freunden geteilt, die mit mir aus dem Gefängnis kamen.»96 Der Landsmann fand Sidelnik nach seiner Ankunft in Mauthausen. Er hatte offen- bar geprüft, ob in dem neu angekommenen Transport Menschen aus der Ukraine wa- ren. Es war im Lager tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass Häftlinge unter den Neuan- kömmlingen ganz gezielt Menschen suchten, die aus dem gleichen Gebiet stammten wie sie, und sich mit diesen anfreundeten oder sie  – wie in diesem Beispiel  – einfach unterstützten.97 Die Unterstützung, die Sidelnik von seinem Landsmann bekam, teilte er mit seinen Weggefährten aus dem Gefängnis, mit denen er gemeinsam nach Maut- hausen deportiert worden war, obwohl er angesichts der Versorgungslage im Lager damit seine eigene Verfassung schwächte. Das Beispiel zeigt, wie zwischenmenschli- che Beziehungen in zweifacher Weise die Verteilung von Ressourcen bestimmten und mehreren Leuten halfen, zu überleben. Resümee Die Erfahrungen und Erzählungen ehemaliger Häftlinge haben gezeigt, dass es im Zuge der vielfältigen Wege aus der Ukraine nach Mauthausen Gemeinsamkeiten und Muster gab. Die meisten Interviewten erzählen den Beginn ihres Weges nach Maut- hausen als eine soziale Situation, in der interagiert und entschieden wird. Teilweise fin- det dies innerhalb der Familie statt, wenn beispielsweise überlegt wird, welches Fami- lienmitglied zur Zwangsarbeit geschickt wird, oder wenn Brüder als Helfer und Retter auftreten. Nur in seltenen Fällen berichten die Überlebenden von einer Interaktion mit Deutschen. Häufiger werden Situationen mit Vertretern der lokalen Administration und der Polizei geschildert. Das ist insofern bemerkenswert, als Kollaboration unter deutscher Besatzung ein eher unpopuläres Thema im ukrainischen öffentlichen Dis- 95 AMM, MSDP, OH/ZP1/843, Interview mit Bogdan Josifowitsch Sidelnik, Interviewer : Kirill Wasilenko, Lwiw, 3. 12. 2003, Transkript, Z. 734–737. 96 Ebd., Z. 257–259. 97 Vgl. bspw. AMM, MSDP, OH/ZP1/849, Interview Malizkij, Z. 424–425 ; OH/ZP1/843, Interview Sidelnik, Z. 271–273. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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