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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 383 -
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383Wege italienischer Deportierter nach Mauthausen | Botschaft überbrachte, wurde sie im Juni 1944 verhaftet und zunächst nach Ausch- witz und später in das Mauthausener Frauenaußenlager Hirtenberg deportiert. Nach einem erschöpfenden Evakuierungsmarsch erreichte sie im April 1945 Mauthausen. Ihr Schicksal vereint exemplarisch die Tragödie der weiblichen Deportation und jene der ethnischen Feindseligkeiten in der Grenzregion zwischen Italien und dem heuti- gen Slowenien. Aus derselben Region, Friaul-Julisch-Venetien, aber aus italienischer Familie stammt Giuseppe Biagi (Jahrgang 1927), der als sehr junger Kurier der Partisanentrup- pen in dieser Gegend unmittelbar nach dem 8. September 1943 tätig war. Er wurde im November 1943 verhaftet und erzählt mit großer Spontaneität die dramatische Se- quenz der verschiedenen Stationen, darunter das Polizeihaftlager Risiera di San Sabba in Triest,15 die Deportation nach Mauthausen im Jänner 1944 und die Zwangsarbeit in Gusen  II und Peggau. Er wurde unter anderem zum Graben von Tunnels für die Errichtung von Rüstungsbetrieben eingesetzt und schmerzhaften medizinischen Ex- perimenten unterzogen. Sehr eindrucksvoll ist auch die Aussage von Alessandro Scanagatti, der nach 50  Jah- ren des Schweigens zum ersten Mal von seinen Erfahrungen berichtete. Auch er wurde 1927 geboren und erfuhr großes Elend in der Gegend seiner Herkunft, der Lombar- dei, wurde im September 1944 verhaftet und kam über Gefängnisse in Magenta und Mailand in das Durchgangslager Bozen, wo er von dem berüchtigten Aufseher Mischa Seifert brutal behandelt wurde.16 Im Alter von siebzehn Jahren wurde er dann im Februar 1945 nach Mauthausen deportiert, wo er gezwungen wurde, Leichen aus der Gaskammer in die Krematorien zu transportieren. Ein weiteres Beispiel einer sehr spontanen Aussage ist jene von Reno Bonfiglioli, der mit einer Lebhaftigkeit und einem Esprit erzählt, die seine neapolitanische Abstam- mung verraten. 1918 geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Ägypten 15 Im Herbst 1943 wurde die Stadt Triest zum Hauptquartier der Operationszone Adriatisches Küstenland und de facto vom Dritten Reich annektiert. Das Industriegelände der ehemaligen Reismühle, auch Risiera di San Sabba genannt, wurde von den Nazis zum Polizeihaftlager umfunktioniert, in dem italienische, slowenische, kroatische Widerstandskämpfer, Juden und andere Personen inhaftiert wurden, die zur De- portation in die Lager des Dritten Reichs bestimmt waren. Von den mindestens 7000 bis 8000, möglicher- weise bis zu 20.000 in der Risiera Inhaftierten wurden mindestens 2000 in der Risiera ermordet. Aus Triest allein kamen 69  Transporte in die verschiedenen Lager und Außenlager. Wetzel, Italien, S. 303–306. 16 Michael («Mischa») Seifert, ein deutschstämmiger Ukrainer, wurde nach dem deutschen Einmarsch als Hilfspolizist rekrutiert und 1944 dem SD in Verona zugewiesen. Zunächst Aufseher in Fossoli, kam er im Dezember 1944 in das Durchgangslager Bozen. Überlebende schildern ihn als Urheber unzähliger Grau- samkeiten, Folterungen und Ermordungen, die ihm den Spitznamen «Mischa, der Henker von Bozen» einbrachten. Nach Kriegsende gelang ihm die Flucht nach Kanada, wo er im Jahr 1999 aufgespürt wurde. Von den italienischen Behörden für die ihm vorgeworfenen Morde schuldig gesprochen, wurde er 2008 von Kanada ausgeliefert und in ein italienisches Militärgefängnis verlegt, wo er 2010 starb. Giorgio Mez- zalira/Carlo Romeo (Hg.) : «Mischa», l’aguzzino del lager di Bolzano. Della carte del processo a Michael Seifert [«Mischa», der Folterer des Lagers Bozen. Über Michael Seiferts Prozesspapiere], Bozen 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
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