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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 386 -
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386 | Doris Felsen und Viviana Frenkel den, der Widerstandsbewegung anzugehören, und sogar jene, die während des Streiks krank waren. Für jeden Verhafteten lautete die Anklage : «Sabotageakte gegen das deut- sche Heer und die faschistische Republik, Organisation und Anstiftung zum Streik». «Es war eine sehr schwere Anklage, wir riskierten auch die Todesstrafe, aber für uns wurde es zu etwas Schlimmerem als die Todesstrafe, wie sich dann die Dinge entwickelt haben / und dann sind wir in diesen Lagern da gelandet, sagen wir in diesen Todeslagern dort / wir haben so gelitten, dass es vielleicht besser gewesen wäre gleich zu sterben, auch wenn sie uns erschossen hätten, aber wir haben gewaltig gelitten  …»23 Er zeichnet ein sehr lebendiges Bild von seiner Haft im Mailänder San-Vittore-Gefäng- nis, von der Fahrt nach Bergamo in einem unmenschlich vollgepferchten Lastwagen, dem enormen Hunger und der Solidarität der Häftlinge, die ein einziges Brotstück un- ter sich aufteilten. In Angelos Aussage spürt man ständig einen Drang, die tragischen Geschehnisse genau zu schildern, mitzuteilen. Er erzählt auch sehr eindrucksvoll seine Erfahrung von körperlichen Schmerzen. Am 17. März 1944 verteilten die Deutschen ein wenig Essen an die Deportierten und brachten sie zum Bahnhof, wo ein Konvoi Viehwaggons sie bereits erwartete. Zu vierzig wurden sie in einen einzelnen Waggon gepfercht, ohne Trinkwasser, und die staubige Luft ließ den Durst nur noch schlimmer werden. Beißende Kälte und Schnee entlang der gesamten Strecke Verona–Tarvis–Vil- lach–Mauthausen brachte ihnen Höllenqualen : «Durst ist etwas, das in dir eindringt  … und  … dich unglaublich leiden lässt […]. Als sie die Türen der Waggons öffneten  … wie wir da alle ausgestiegen sind, uns in den Schnee gestürzt haben und den Schnee verschlangen, so durstig waren wir  …»24 Während des Aufstiegs in das Lager gesellte sich zum physischen Schmerz und den von den SS-Wachen verabreichten Hieben auch noch die Verstörtheit über das, was sie zu sehen bekamen : «Vor unseren Augen bot sich eine völlig verdrehte Welt dar : Menschen, die arbeiteten, wäh- rend andere dabei zusahen und sie verprügelten. Und noch wussten wir nicht alles, noch waren wir uns der Situation dort nicht vollständig bewusst. Ich muss ehrlich sagen, dass ich in dem Moment instinktiv fliehen wollte  – wenn dieser ganze Schnee dort nicht gewesen wäre, hätte ich es vermutlich getan  – ich hätte am liebsten versucht die Flucht zu ergreifen.»25 Im Alter von siebzehn Jahren überquerte Angelo die furchterregende Schwelle des La- gers Mauthausen, wurde mit dem roten Winkel der politischen Häftlinge, der Nummer 59.141 und der Häftlingsuniform versehen und ins Außenlager Gusen verlegt. 23 Ebd. 24 Ebd. 25 Ebd. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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