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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 387 -
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387Wege italienischer Deportierter nach Mauthausen | Maria Fugazza wurde am 27. Oktober 1924 in der Provinz Cremona geboren. Wie viele andere zu der Zeit stammte sie aus einer armen Familie und besaß eine begrenzte Bildung. Ihre Mutter zog als Witwe mit fünf Kindern in den Industriegürtel von Mai- land nach Cinisello Balsamo und fand bei den Breda-Werken in Sesto San Giovanni Arbeit. Die Breda-Werke, ein großes Metall- und Maschinenbauunternehmen, das für die italienische Kriegsindustrie eine wesentliche Rolle spielte, wurden von den Streiks 1943 und im März 1944 besonders stark betroffen. Auch die junge Maria begann dort zu arbeiten, eine harte Tätigkeit, die sie jedoch nicht einschüchterte. Ihre körperliche Ausdauer wurde zu einem bestimmenden Faktor für ihr Überleben während der De- portation : «Dann sind wir zur Breda gewechselt, zu den Flugzeugen. Aber mir machte die Arbeit nichts aus, denn […] nicht einmal/ auch in Deutschland, die Schichtarbeit, zwölf Stunden pro Tag machten wir.»26 Maria erfuhr recht wenig von dem, was um sie herum geschah : «Sehen Sie, wir hatten weder Radio noch irgendwas […], das wenige, was man wusste, wussten alle, weil die Gerüchte, die Gerüchte gehen um, aber man wusste nichts, denn es war nicht so wie heute, wo jeder ein Radio besitzt und so. Niemand besaß ein Radio.»27 Ihre po- litisch kaum geprägte Existenz erlebte im März eine dramatische Wende, als auch sie von der Streikwelle der oberitalienischen Industriebetriebe in den Strudel der histori- schen Ereignisse mitgerissen wurde. Aber im Unterschied zu Angelo Signorelli, der aus Furcht vor den deutschen Soldaten nicht in die Fabrik ging, genoss Maria die augen- scheinliche Freiheit in Gesellschaft ihrer Freundinnen : «Es war normal dass/ man arbeitete, man ging/ als gestreikt wurde, sagte man : ‹Gehen wir ins Kino ?›, und damit war die Sache beendet. ‹Gehen wir ins Kino !›, wir freuten uns. Nicht, dass wir gestreikt haben, um ausgerechnet/ Weil wir jung waren, damals, im Alter von 19, wusste man noch nicht so viel wie heutzutage […]. Man streikte, man ging ins Kino, man ging nach Sesto, weil wir dort am Campo volo waren […] Wir verbrachten unser Zeit immer mit den Jungs, den Buben, in Gesellschaft einfach. […] Wir hatten es nicht so mit Gesprächen über Politik.»28 26 AMM, MSDP, OH/ZP1/007, Interview mit Maria Fugazza, Interviewerin : Viviana Frenkel, Cinisello Bal- samo, 5. 6. 2002, Übersetzung, Z. 198–201. 27 Ebd., Z. 246–251. 28 Ebd., Z. 218–225. Maria Fugazzas Bericht wird von Ines Gerosa, einer Freundin, bestätigt, die gemein- sam mit ihr die Deportation verbrachte. Ines Gerosa konnte aus Krankheitsgründen nicht für das MSDP interviewt werden. Es gibt allerdings ein schriftliches Interview, das im Jahr 2001 von Giuseppe Valota, dem Vorsitzenden der ANED von Sesto San Giovanni, aufgezeichnet und freundlicherweise zur Verfü- gung gestellt wurde. Es wurde in der jüngsten grundlegenden Untersuchung Valotas publiziert : Streiker- transport. La deportazione politica nell’area industriale di Sesto San Giovanni (1943–1945) [Streiker- transport. Die politische Deportation in der Industriegegend von Sesto San Giovanni (1943–1945)], Milano 2007 (Ripensare il ’900), S. 145–158. Auch Ines erinnert sich ähnlich an die Streiktage : «Es wurde schon seit einer Weile gestreikt, die Abteilungen waren geschlossen […]. Wir waren glücklich, weil wir Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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