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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 391 -
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391Wege italienischer Deportierter nach Mauthausen | «Wir waren eine recht schöne Kolonne. Auf beiden Seiten flankierten uns die faschistischen Soldaten und auch die von der SS, mit den Maschinengewehren auf uns gerichtet […]. Dann hatten sie zwei Kleinlaster links und rechts von uns platziert, die hin und her fuhren  – mit den Maschinengewehren oben  – um auch die Leute von Bergamo fernzuhalten. Ach genau  … diese Leute aus Bergamo  … diese Leute, die zuerst zögernd, dann immer mutiger sich näher- ten […]. Das war eine große Solidaritätsbekundung […]. Diese Leute und auch unsere Eltern, die uns bis zum Eingang des Bahnhofs begleiteten, dort wurden sie dann nicht mehr rein- gelassen  … ich habe sie dort verabschiedet, beim Eingang des Bahnhofs. Ich verabschiedete mich ein letztes Mal von meinen Eltern, verabschiedete mich von all diesen Leuten, die uns bis dorthin begleitet hatten, da war ich auch sehr gerührt beim Abschied.»36 Maria Fugazzas Fahrt in das Konzentrationslager, dessen genaue Dauer sie nicht ab- schätzen kann, erfolgte in der altbekannten Weise : Die Frauen wurden in einem ein- zigen Waggon zusammengepfercht, erlitten großen Hunger und Durst, mussten ihre Notdurft in einen Kübel verrichten, die Solidarität begann zu bröckeln (ein Stück Brot wurde gestohlen) und sie wurden von ängstlicher Zukunftsungewissheit geplagt : «Man dachte : Fahren wir wirklich arbeiten ? Was werden wir machen, was machen wir ?»37 Ein Gerücht, das auch von Ines Gerosa und Ernesto Labellottini kolportiert wird, berichtete von einem baldigen Partisanenangriff zur Befreiung der Inhaftierten. Aber es geschah nichts und Maria kommentiert : «Die Hoffnung ist, dass die Partisanen kommen, aber die Partisanen sind nicht erschienen, und wir sind in Mauthausen gelandet !»38 Der Eintritt in das Lager beeindruckte die völlig erschöpfte Maria nicht besonders. Sie erinnert sich, dass sie zum Duschen und zur Desinfektion gebracht und dann in eine Zelle gesperrt wurde. Ines Gerosa beschreibt es genauer : «Sie haben uns alles weggenommen. Dann haben sie uns zu den Duschen hinuntergebracht, aber sie haben uns nicht enthaart. Dann haben sie uns, in diese gestreiften Uniformen gekleidet, ins Gefängnis von Mauthausen gebracht. Wir hatten nichts mehr, was uns gehörte.»39 Die Frauen ahnten nicht, dass ihre Gruppe in ein anderes Lager verlegt werden sollte. Sie wurden nicht ins Verzeichnis aufgenommen und in mehreren Abfolgen noch im selben Monat, April, und im Mai 1944 nach Auschwitz abtransportiert.40 36 An dieses Ereignis der Anwesenheit der Familienangehörigen bei der Abfahrt ihrer Verwandten (was in gewisser Hinsicht gegen die Sicherheitsbestimmungen zur Geheimhaltung verstieß) erinnert sich auch Giuseppe Mayda in : Storia della deportazione dall’Italia 1943–1945. Militari, ebrei e politici nei lager del Terzo Reich [Geschichte der Deportation aus Italien 1943–1945. Militärs, Juden und politische Häftlinge in den Lagern des Dritten Reichs], Torino 2002, S. 250. 37 AMM, MSDP, OH/ZP1/007, Interview Fugazza, Z. 644 f. 38 Ebd., Z. 234–236. 39 Valota, Streikertransport, S. 145–158. 40 Giuseppe Valota rekonstruiert die Geschichte Maria Fugazzas und ihrer Weggefährtinnen aus einem Bestand von Dokumenten und Aussagen in : Valota, Streikertransport, S. 124–129 und 338. Die Namen von 18  Frauen (darunter Maria Fugazza) erschienen in einer Liste des San-Vittore-Gefängnisses vom Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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