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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 392 -
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392 | Doris Felsen und Viviana Frenkel Die hier aufgezeichneten Interviews mit den Streikenden formen, auch wenn die Beweggründe nicht immer übereinstimmen, eine bemerkenswert homogene Erzäh- lung dieses historischen Ereignisses, das damals große Bewunderung in den Kreisen des europäischen Widerstands und in den alliierten Ländern hervorrief.41 Ernesto La- bellottini beschreibt detailgenau die Vorbereitung und Umsetzung der Streiks in den Breda-Werken bei Sesto San Giovanni. Seine Erzählung erfolgt sozusagen «von innen» und bekundet wirksam die umfassende Beteiligung der Arbeiter an den wirtschaftli- chen und politischen Zielen des Streiks. Angelo Signorelli, zu dem Zeitpunkt noch sehr jung und unerfahren, beteiligte sich auch aufgrund einer langen Krankheit nicht an der Streikvorbereitung. Ihm widerfuhren dennoch die Folgen der aktiven Beteiligung seines Bruders Giuseppe, während Maria Fugazza und ihre Freundinnen fern jeglicher idealistischer Betrachtung den Streik als eine seltene Gelegenheit, sich zu vergnügen, sahen. Sie alle werden die Folgen ihrer Beteiligung und ihrer Unwissenheit bitter be- zahlen. Auf die Streikenden wurde nämlich die «Nacht-und-Nebel-Verordnung» an- gewandt, ein Instrument der Abschreckung, das nächtliche Verhaftungen und völlige Desinformation über das Schicksal der Verhafteten vorsah. Sie wurden ohne formale Anklage festgenommen, wurden auch nicht verhört und in dieser großen Ungewiss- heit über das zu erwartende Schicksal nach Mauthausen abtransportiert, aber auch in andere Lager wie Dachau, Flossenbürg und, bei den Frauen, Auschwitz oder Ravens- brück. Viele übereinstimmende Elemente ermöglichen es, ein weitgehend homogenes Bild zu zeichnen : Verhaftungen wurden von Italienern durchgeführt, der Vorwand war immer, «Informationen» erhalten zu wollen, dann die Etappen der Zwischenhaft in Italien vor dem Abtransport, die künstlich angefachte Hoffnung, in Deutschland zu arbeiten, die Verzweiflung der Verwandten, der fürchterliche Transport in den bleier- nen Waggons. Der Generalstreik begann aus wirtschaftlichen Gründen und mutierte zum politi- schen Protest, weitete sich auf die gesamte Sozialrepublik von Venetien nach Ligurien 17. März, auf der in den folgenden Tagen weitere 18  Namen von Frauen hinzugefügt wurden, die wegen Streikbeteiligung verhaftet worden waren. Sie fuhren von Bergamo mit dem Transport vom 5. April ab und kamen am 8. April in Mauthausen an, wo sie bis zur Abfahrt nach Wien und dann Birkenau in den Zellen neben dem Krematorium eingesperrt waren. 41 Joseph John Marus (Candidus), Radio London, 20. März 1944 : «Die Streiks in Norditalien, die vom 1. bis zum 8. März stattfanden, wurden mit einer Präzision, einer Disziplin und einem Mut durchgeführt, wie man sie im besetzten Europa bis jetzt noch nie gesehen hat. Diese Unruhen erhielten in der internationa- len Presse die Anerkennung, die sie verdienten. Jetzt, wo genauere Einzelheiten aus Italien über die Natur, das Voranschreiten und die Tragweite der Unruhen eintreffen, zögern die Tageszeitungen nicht, vom mutigsten Streik seit Menschengedenken zu sprechen, auch wegen der Umstände und Schwierigkeiten und der Gefahren, in welchen er sich abspielte.» Zit. nach Pietro Secchia/Cino Moscatelli : Il Monte Rosa è sceso a Milano. La resistenza nel Biellese nella Valsesia e nella Valdossola [Der Monte Rosa stieg nach Mailand hinunter. Der Widerstand in der Gegend von Biella im Valsesia-Tal und im Valdossola-Tal], Torino 1958, S. 179–183, Fn. 2. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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