Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 398 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 398 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2

Bild der Seite - 398 -

Bild der Seite - 398 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2

Text der Seite - 398 -

398 | Doris Felsen und Viviana Frenkel rung) bezeichneten Ausnahmegenehmigungen in Anspruch nehmen.59 Sie wurden der «jüdischen Rasse» zugehörig erklärt, aus den öffentlichen Schulen verwiesen, von den Wehrdienstlisten entfernt. Ihre finanziellen Mittel wurden eingefroren. Durch das Eingreifen eines Kardinals konnte die Familie die Taufregistrierung be- wirken, dies vermochte aber nicht ihre Situation zu verändern. Schließlich wurden sie in die katholische Privatschule «San Giuseppe dei Fratelli delle Scuole Cristiane» eingeschrieben. Dies bedeutete für Alberto eine wichtige Veränderung, die er in seiner Autobiografie folgendermaßen beschreibt : «Der Philosophielehrer, Bruder Giocondo, ein intelligenter, gebildeter und fähiger Mann, bemerkt meine Lernbereitschaft, meine Fähigkeiten und meinen Tatendrang und überzeugt mich, nach monatelanger Diskussion, Azione Cattolica60 beizutreten, bei der ich recht bald eine lokale Führungskraft werde.»61 So begann sein persönlicher und politischer Reifeprozess, der zu ersten Reibereien innerhalb von Azione Cattolica führt. Die Führungskräfte lehnten die von ihm erhoffte Untergrundaktivität und Annäherung an Gruppen junger Kommunisten, Liberaler und Mitglieder des Partito d’Azione (Aktionspartei),62 durch die er mit bisher unbe- kannten Ideen und Anschauungen in Kontakt kam, ab. «Es kamen die ersten Zweifel auf : Ich hatte geglaubt, durch das katholische Apostolat könne sich die Menschheit bessern, hätte man größere Möglichkeiten, das Leben und Wirken der Menschen zu beeinflussen, und ich entdecke, dass dies vor allem durch die Veränderung der Gesellschaft erreicht werden kann, durch die Schaffung eines neuen Staates, der auf der Frei- heit des Menschen gründet, im Geist wie in materiellen Bedürfnissen, durch einen Prozess demokratischer Teilnahme.»63 Der Kontakt mit einer Gruppe junger Antifaschisten, unter denen sich Raimondo Ricci befand, ein Marinesoldat und Mitglied der Aktionspartei, markierte den Beginn einer 59 Discriminazione war eine in den Rassendekreten vorgesehene Sonderregelung für jene Personen, die beweisen konnten, ab dem 1. Oktober 1938 einer anderen Religion als der jüdischen anzugehören, oder die besondere politische oder militärische Verdienste aufwiesen. 60 Vgl. Fußnote  44. 61 Alberto Todros : Memorie 1920–1952 [Erinnerungen 1920–1952], Torino 1999, S. 18–19. 62 Der Partito d’Azione (Aktionspartei), 1942 ins Leben gerufen, greift den Namen der von Giuseppe Maz- zini gegründeten politischen Bewegung des Risorgimento auf. Als Vorgänger der Partei gilt vor allem die antifaschistische Bewegung Giustizia e Libertà (Gerechtigkeit und Freiheit), die in Frankreich von den Gebrüdern Rosselli gegründet wurde, um Antifaschisten zu vereinigen, die weder katholisch noch kommunistisch waren. Nach dem deutschen Einmarsch in Italien bildeten deren Mitglieder Partisanen- verbände und beteiligten sich am Widerstand mit den Brigaden «Rosselli» und «Giustizia e Libertà». 63 Todros, Memorie, S. 23. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
zurück zum  Buch Deportiert nach Mauthausen, Band 2"
Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Deportiert nach Mauthausen