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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 403 -
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403Wege italienischer Deportierter nach Mauthausen | pen, nicht wahr ! Anstatt fünftausend würden Sie dreißigtausend kriegen, das können Sie mal schön vergessen !›»74 Mario wurde zunächst im Gefängnis Regina Coeli inhaftiert und am 4. Juni 1944 am Bahnhof Rom-Tiburtina in einen unwahrscheinlich vollgepferchten Viehwaggon ge- laden, der nach Dachau fuhr. Nach einigen Tagen dort wurde er nach Mauthausen gebracht. «Wir waren elf Juden [auf 480  Italiener]. Wir sind nur zu viert zurückge- kommen.» Diese elf Juden wurden bei der Ankunft vom Rest der Italiener getrennt, und in einer Reihe entlang der Mauer in der eisigen Kälte erlebten sie einen tragischen Empfang : «Es präsentierte sich einer von der SS […] und meinte zu mir : ‹Komm her !› Aber ich verstand nicht, was Komm her ! bedeutete, doch mit dem Finger habe ich verstanden, dass er sagen wollte : ‹Komme her !› […] ‹Sprechen Sie Deutsch ?› Ich antwortete nicht, er wiederholte es ein zweites Mal und ich antwortete nicht. Ein gewisser Renato Pace, der mit uns war, sagte : ‹Ma- rio, er fragt dich, ob du Deutsch sprichst.› Da ich nicht wusste, wo wir gelandet waren, ant- wortete ich wie ein Jugendlicher, wie ein Zwanzigjähriger. Ich machte so eine Geste mit der Hand, zuckte mit den Achseln und sagte : ‹Was weiß denn ich, ich rede ja kaum, kann ja kaum Italienisch75 !› Er knallte mir sofort eine, warf mich zu Boden, Tritte, Faustschläge, fünf, sechs Stunden hintereinander […] sie machten nichts anderes, als uns nacheinander zu prügeln.»76 Mario überlebte unsagbare Umstände und Geschehnisse. Zum Zeitpunkt der Befrei- ung lag er halb bewusstlos auf einem Stapel Leichen, die zur Verbrennung bestimmt waren. Er wog siebenundzwanzig Kilo. «Wenn ich all das sagen müsste, was ich durchgemacht habe, all das, was ich gesehen habe. Ich rede nie darüber, weil es mir selbst weh tut […]. Ich habe jetzt mit euch gesprochen, weil ihr mich gefragt habt. Heute Nacht werde ich nicht schlafen, weil mir einfällt, was ich euch gesagt habe. In vielen Nächten wache ich auf, und es kommt mir vor, als wäre ich wieder dort. Es kommt mir vor, als wäre ich im Lager und sähe mit eigenen Augen, was sie meinen Kame- raden angetan haben, was sie mir angetan haben.»77 74 AMM, MSDP, OH/ZP1/015, Interview Limentani, Z. 70–78. 75 Er meint damit die italienische Hochsprache, da Mario Limentani hauptsächlich im römischen Dialekt redet. 76 AMM, MSDP, OH/ZP1/015, Interview Limentani, Z. 96–112. 77 Mario Limentani, testimone della Shoah, URL : http://www.raiscuola.rai.it/articoli/mario-limentani- testimone-della-shoah/25669/default.aspx (28. 9. 2020). Siehe auch seine Biografie von Grazia Di Veroli : La scala della morte. Mario Limentani da Venezia a Roma, via Mauthausen [Die Todesstiege. Mario Limentani von Venedig nach Rom, über Mauthausen], Cava de Tirreni (SA) 2013. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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