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Hana Kubátová
«Burschen, ihr fahrt in das schlimmste Lager !»
Die Wege slowakischer Häftlinge nach Mauthausen
Einleitung
«Plötzlich schauen wir hinaus und dort steht : Mauthausen. […] Und eine neben mir stehende
Frau fragt : ‹Mauthausen, was kann das sein ?› Und unweit von uns ist ein Österreicher gestan-
den, auch ein SS, der hat das gehört und sagt : ‹Das heißt nicht mehr Mauthausen, das heißt
jetzt Mordhausen.›»1
So beschreibt Katarína Löfflerová – damals eine junge Frau in ihren Dreißigern – ihre
Ankunft im KZ Mauthausen Ende April 1945. Nach kurzer Internierung im Arbeits-
und Konzentrationslager Sered’, zehn Tagen in Auschwitz und sieben Monaten Zwangs-
arbeit in Freiberg, einem Außenlager des KZ Flossenbürg, hatte sie damit hinter sich
gebracht, woran sie sich als an «die schlimmsten sechzehn Tage, die ich [während des
Zweiten Weltkriegs] erlebt habe», erinnert.2
Diese «sechzehn Tage» im Leben slowakischer Häftlinge, deren Bestimmungsort
Mauthausen war, möchte ich – als Metapher für die Wege zwischen ihrer Deportation
aus dem Gebiet der Slowakei und der Zeit unmittelbar nach dem Eintreffen im Lager –
in den Mittelpunkt meines Beitrags stellen. Lassen sich hinsichtlich der Umstände, die
diese Menschen nach Mauthausen brachten, «typische» Momente ausmachen ? Unter-
schieden sich die Routen, auf denen sie nach Mauthausen kamen, je nachdem, ob ihre
Einlieferung «rassischen» oder politischen Gründen geschuldet war ? Und schließlich,
welche – intimen, persönlichen – Erfahrungen sind an die Deportation geknüpft ?
Zuvor aber möchte ich erläutern, was ich in diesem Kapitel unter der – wie man
meinen könnte, selbsterklärenden – Bezeichnung «slowakische» Häftlinge verstehe. In
ihrem 1970 erschienenen Buch «Slováci v Mauthausene» (Die Slowaken in Mauthau-
sen), der bislang einzigen Monografie zum Thema, spricht Viera Zajacová mit Blick
auf die aus der Slowakei stammenden Insassen von Mauthausen von im Wesentlichen
zwei Kategorien. Die eine bildeten politische Häftlinge, die großteils Anfang 1945 von
der slowakischen Regierung an die Deutschen ausgeliefert worden waren.3 Da das au-
1 AMM, MSDP, OH/ZP1/340, Interview mit Katarína Löfflerová geb. Vidorová, Interviewer : Zlatica Niž-
ňanská, Bratislava, 15. 8. 2002.
2 Ebd.
3 Viera Zajacová : Slováci v Mauthausene [Die Slowaken in Mauthausen], Bratislava 1970, S. 7.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen