Seite - 406 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Bild der Seite - 406 -
Text der Seite - 406 -
406 | Hana Kubátová
toritäre Regime des Slowakischen Staats sein gesamtes Bestehen hindurch weder über
die entsprechende Infrastruktur noch ĂĽber die personellen Ressourcen und auch nicht
über den gesetzlichen Rückhalt verfügte, die es ihm erlaubt hätten, gegen unter die –
zunehmend frei gehandhabte – Kategorie der politisch und/oder national Unzuverläs-
sigen fallende Personen vorzugehen,4 wurde die Verfolgung von politischen Gegnern
(jedenfalls durch die Justiz) in der Slowakei weitaus weniger rigide betrieben als im
nationalsozialistischen Deutschen Reich und den mit ihm verbündeten Ländern. So-
weit bekannt – und hier ist anzumerken, dass der Forschungsstand zur Verfolgung
politischer Gegner durch den Slowakischen Staat beträchtliche Lücken aufweist –,
wurden im Zeitraum von 1939 bis 1945 insgesamt 2809 Personen politischer Vergehen
schuldig gesprochen,5 dreizehn von ihnen erhielten – in Abwesenheit, ein ebenfalls
wichtiger Aspekt – das Todesurteil.6 Daneben gab es natürlich unzählige Fälle außer-
gerichtlicher Verfolgung (und Festnahmen). Die brutalste Form der Bekämpfung an-
geblicher innerer Widersacher des slowakischen Regimes stellte jedoch die Ausliefe-
rung an die Nationalsozialisten und die anschlieĂźende Deportation nach Mauthausen
im Jahr 1945 dar – wie sie jene erfahren haben, deren Lebensgeschichten Gegenstand
dieses Beitrags sind.
Außer für politische Gefangene, so Zajacová weiter, wurde «Mauthausen zur End-
station fĂĽr slowakische Juden aus den angesichts der heranrĂĽckenden Front evakuier-
ten Lagern Auschwitz, GroĂź-Rosen und anderen Konzentrationslagern ; unter ihnen
waren auch unsere jüdischstämmigen Mitbürger aus den besetzten Gebieten der Süd-
slowakei».7 Insgesamt fielen dem Holocaust zwei Drittel der jüdischen Vorkriegsbe-
völkerung der Slowakei zum Opfer.8 So wurden zwischen März und Oktober 1942 fast
58.000 Juden von den slowakischen Behörden an die Grenze des Generalgouverne-
ments bzw. des Deutschen Reichs deportiert und damit der unmittelbaren Vernich-
4 Siehe z. B. Jan RychlĂk : PerzekĂşcia odporcov reĹľimu na Slovensku 1938–1945 (K problematike charak-
teru ľudáckeho režimu) [Die Verfolgung von Regimegegnern in der Slowakei 1938–1945 (Zum Wesen
des faschistischen Regimes)], in : Michal Šmigeľ/Peter Mičko (Hg.), Slovenská republika očami mladých
historikov IV [Die Slowakische Republik 1939–1945 in den Augen junger Historiker IV], Banská Bys-
trica 2005, S. 119–134.
5 Róbert Letz : Slovensko v rokoch 1945–1948 [Die Slowakei in den Jahren 1945–1948], Bratislava 1994,
S. 83.
6 Siehe RychlĂk, PerzekĂşcia odporcov reĹľimu na Slovensku 1938–1945, S. 124.
7 Zajacová, Slováci v Mauthausene, S. 7.
8 Laut Volkszählung des Jahres 1940 – deren Ergebnisse sicherlich noch vorsichtiger zu bewerten sind als
die derartiger, von Natur aus problematischer Erhebungen im Allgemeinen – betrug die Einwohner zahl
der Slowakei ca. 2.650.000. 83 % der Befragten gaben als Nationalität slowakisch an ; daneben wurden
130.000 Deutsche, 90.000 Juden, 80.000 Tschechen, etwa dieselbe Anzahl Ruthenen, 65.000 Ungarn so-
wie an die 30.000 Roma registriert. Siehe Pavel Horváth : Obyvatel’stvo Slovenskej republiky a jej bohat-
stvo [Die Bevölkerung der Slowakischen Republik und ihr Reichtum], in : Kalendár Hlinkovej slovenskej
Äľudovej strany na rok 1942 [Kalender der Slowakischen Hlinka-Volkspartei fĂĽr das Jahr 1942], Bratislava
1941, S. 109–112.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
zurĂĽck zum
Buch Deportiert nach Mauthausen, Band 2"
Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen