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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 409 -
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409«Burschen, ihr fahrt in das schlimmste Lager !» | meines Beitrags anbelangt, so steht zu Beginn die Beschreibung der Lage in der Slowa- kei während des Kriegs unter besonderer Berücksichtigung der Wesensmerkmale des Regimes und seines Umgangs mit «inneren Feinden»  – namentlich Juden, Tschechen und politischen Gegnern (vor allem ehemaligen Kommunisten). Dieser Teil ist dazu gedacht, den Leser mit dem für das Verständnis der Situation erforderlichen histori- schen Kontext vertraut zu machen. Im zweiten Teil befasse ich mich zunächst allgemein mit den slowakischen Häftlingen von Mauthausen, und daran anschließend zeichne ich Wege nach Mauthausen anhand dreier Fallstudien nach : Otto Wagner, Pavel Branko und Ján Šagát, die alle in den frühen 1920er Jahren in der Slowakei geboren wurden.17 Dass ich gerade deren Lebensgeschichten für meine Analyse heranziehe, hat drei Gründe. Zum einen wiesen ihre jeweiligen Lebensumstände bei aller Diversität viele Gemeinsamkeiten auf. Wagner entstammte einer jüdischen Familie aus Bratislava, Pa- vel Branko wuchs als Sohn eines konvertierten Juden und einer nichtjüdischen Mutter ebenfalls in Bratislava auf, und Ján Šagát kam als Sohn einer nichtjüdischen Familie in Brezová pod Bradlom,18 einer kleinen Stadt in der Westslowakei, zur Welt. Während Pavel Brankos Familie relativ wohlhabend war, kam Ján Šagáts Familie nur schwer über die Runden. Otto Wagner wiederum beschreibt seine Familie als mittelständisch, als «weder arm noch reich»19. Ungeachtet dieses unterschiedlichen Hintergrunds gab es zwischen Otto Wagner, Pavel Branko und Ján Šagát allerdings mehr Verbindendes als Trennendes. Da waren nicht nur ihr Alter und ihr Herkunftsland.20 Alle drei waren  – mehr oder minder engagiert und aus unterschiedlichen Gründen  – in der Partisanen- bewegung aktiv, was sie in den Augen der slowakischen Behörden zu staatsfeindlichen Elementen machte.21 Und für alle drei kam der Tag, an dem sie verraten, verhaftet, verhört und  – am Morgen des 19. Februar 1945  – auf ein Armeefahrzeug verladen und lagern : Wer es im Steinbruch nicht über die Treppe schaffte, dem schossen die SSler ins Genick], in : Denník N (19. 6. 2015), URL : https://dennikn.sk/164523/otto-wagner-nebol-som-arijskeho- povodu- nuz-ale-co-som-s-tym-mal-robit/ (30. 9. 2020) ; Miroslav Čaplovič : Zomrel Wagner. Muž, čo pre žil peklo [Wagner ist tot. Der Mann, der die Hölle überlebte], in : Pravda (10. 2. 2017), URL : http: // spravy.pra- vda.sk/svet/clanok/419572-zomrel-wagner-muz-co- prezil-peklo/ (30. 9. 2020) ; Iris Kop csayo vá/Pavel Branko : Ráno sa zobudím a nie som mŕtvy [Morgens wache ich auf und lebe immer noch], Bratislava 2017, und Pavel Branko : Gegen den Strom, Wien 2018 (Mauthausen-Erinnerungen, 2). 17 AMM, MSDP, OH/ZP1/357, Interview Wagner ; AMM, MSDP, OH/ZP1/352, Interview mit Pavel Branko, Interviewer : Zlatica Nižňanská, Bratislava, 17. 5. 2002 ; AMM, MSDP, OH/ZP1/346, Interview mit Ján Šagát, Interviewer : Zlatica Nižňanská, Brezová pod Bradlom, 2. 12. 2002. 18 1940 zählte die Stadt Brezová pod Bradlom ca. 3000 Einwohner, etwa 100 davon Juden. Slovenský štatis- tický úrad (Hg.) : Lexikón obcí Slovenskej republiky [Lexikon der slowakischen Gemeinden], Bratislava 1942, URL : https://www.upn.gov.sk/projekty/supis-zidov/zoznam-obci/?okres=634 (28. 9. 2020). 19 AMM, MSDP, OH/ZP1/357, Interview Wagner. 20 Otto Wagner wurde 1924, Pavel Branko 1921 und Ján Šagát 1923 geboren. 21 Obwohl dem Staatsapparat Juden und politische Gegner gleichermaßen als unzuverlässige Elemente galten, stellte sich die Lage für die Juden weitaus bedrohlicher dar. Politische Gegner konnten ihre An- sichten für sich behalten und sich sogar der herrschenden Partei anschließen, um Schwierigkeiten abzu- wenden ; für Juden war eine solche Möglichkeit nicht einmal theoretisch gegeben. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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