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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 412 -
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412 | Hana Kubátová sich hatte. Darüber hinaus erlaubt die Offenlegung seiner Dynamik den eindeutigen Nachweis, dass das Regime ungeachtet der  – ohnehin relativen  – Nachsichtigkeit ge- genüber den «politisch Unzuverlässigen» sich eines Arsenals von Mitteln bediente, um seine Widersacher einzuschüchtern und zu verfolgen. Ungeachtet seiner Kurzlebigkeit war das Regime des «Slowakischen Staates» keines- wegs statisch. Unter Bezugnahme auf klassische Typologien totalitärer und autoritärer Regimes, wie sie etwa Zbigniew Brzezinski, Carl Friedrich und Juan Linz vorgelegt haben, klassifiziert Lubomír Kopeček  – der einzige Politikwissenschaftler, der diese Typologien in einer historischen Studie über die Slowakei während des Kriegs an- wendet  – dessen Phasen als die des «organischen Staats» (von Ende 1938 bis Sommer 1940, also von der Erlangung der Autonomie bis zu den deutsch-slowakischen Ver- handlungen von Salzburg), die des «unvollkommenen totalitären Staats» (von den Salzburger Verhandlungen bis zur Erosion des Regimes Ende 1942), die des «unklaren autoritären Regimes» (von Ende 1942 bis zum Ausbruch des Slowakischen National- aufstands im August 1944) und die der «totalitären Episode» (während der deutschen Besatzung).31 Mit Blick auf die Anfangsphase des Regimes sieht Kopeček Parallelen zu Österreich in der Ära Dollfuß und Schuschnigg oder zu Salazars Portugal insofern, als es «auf Individualismus, die Ablehnung der liberalen Demokratie und den Klassengegensatz [gebaut war]. Es benutzt die Desillusionierung und die Enttäuschung über die liberale Demokratie und die Resultate einer ungezügelten Marktwirtschaft, um an deren Stelle bestimmte organische (korporatistische) Ansätze zu verfolgen.»32 Tatsächlich erfreute sich das Regime in den ersten Jahren bei der Mehrheit der Be- völkerung großer Beliebtheit. Dafür waren, wie ich an anderer Stelle33 gezeigt habe, zwei  – komplementäre  – Faktoren ausschlaggebend : zum einen die eher vage Angst vor einer Bedrohung von außen, die durch den Wiener Schiedsspruch vom November 1938, der dem im Entstehen begriffenen Regime das erste Debakel  – den Verlust der südlichen und östlichen Gebiete an Ungarn  – bescherte, noch befördert wurde. Zum anderen vermochte relative Stabilität (sowohl in politischer als auch in ökonomischer Hinsicht) dieses Gefühl einigermaßen zu kompensieren. Zwischen 1939 und 1943 stieg die industrielle Produktion insgesamt ebenso wie die Zahl der in den einzelnen Wirtschaftszweigen beschäftigten Arbeitskräfte. Dies verdankte sich im Wesentlichen dem «kriegsbedingten Wirtschaftsboom und der regen Investitionstätigkeit seitens des 31 Kopeček, Demokracie, diktatury a politické stranictví na Slovensku, S. 81 ; Carl J. Friedrich/Zbigniew K. Brzezinski : Totalitarian Dictatorship and Autocracy, New York 1956 ; Juan J. Linz : Totalitarian and Authoritarian Regimes, Boulder, CO 2000. 32 Kopeček, Demokracie, diktatury a politické stranictví na Slovensku, S. 90–91. 33 Siehe z. B. Hana Kubátová : Nepokradeš ! Nálady a postoje slovenské společnosti k židovské otázce, 1938– 1945 [Du sollst nicht stehlen ! Die allgemeine Stimmungslage und die Haltung gegenüber der jüdischen Frage in der Slowakei 1938–1945], Praha 2013, S. 92–117. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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