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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 423 -
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423«Burschen, ihr fahrt in das schlimmste Lager !» | Diskriminierung und Verfolgung seiner jüdischen Herkunft geschuldet waren.84 Seine Eltern kamen beide in Auschwitz um, sein einziger Bruder fiel während des Slowaki- schen Nationalaufstands. Er selbst überlebte die ersten drei Kriegsjahre mit Hilfe fal- scher Papiere, die ihn als «Arier» auswiesen, bis er 1942 verraten wurde  – davon später  – und in das jüdische Arbeitslager von Nováky kam. Dort war er bis zum Ausbruch des Slowakischen Nationalaufstands im August 1944 interniert, dem er sich gemeinsam mit einigen Mitinsassen anschloss  – für Otto gleichsam eine Selbstverständlichkeit : «Wir, die relativ Jungen  – ich war neunzehn, zwischen neunzehn und zwanzig  –, wir schlos- sen uns ohne zu zögern und freiwillig dem Slowakischen Nationalaufstand an.»85 Wagners Weg nach Mauthausen nahm seinen Anfang damit, dass er in den Kämp- fen mit der deutschen Armee verwundet und kurz darauf gefangen genommen wurde. Dass er damals am Leben blieb, führt er auf zwei Umstände zurück : sein perfektes Deutsch und eine Falschaussage. Es gelang ihm, die Deutschen zu überzeugen, dass er sich dem Aufstand keineswegs freiwillig angeschlossen habe, sondern von den Par- tisanen genötigt worden sei. Diese beiden Momente dürften  – nebst seinem «dicken blonden Haar»  – ausschlaggebend gewesen sein, dass die Deutschen ihn den slowa- kischen Behörden übergaben. Die Zeit von November 1944 bis zum 18. Februar 1945 verbrachte er  – zusammen mit politischen Häftlingen, Juden und Roma  – in einem Gefängnis des Landgerichts Bratislava. Am 19. Februar 1945 wurden er und etwa 250  Mitgefangene auf fünf Lastwägen verladen, deren Bestimmungsort Mauthausen war.86 Für Wagner  – zum Zeitpunkt des Interviews Stellvertretender Vorsitzender des Slowakischen Verbandes antifaschistischer Kämpfer und Mitglied des Präsidiums des Internationalen Mauthausen-Komitees  – steht es außer Frage, dass er die Deportation nach Mauthausen seiner Partisanentätigkeit verdankte. Dass er seine Unterbringung im sogenannten Zeltlager außerhalb des Lagergeländes jedoch mit den Worten be- schreibt : «Und uns brachten sie dorthin, uns Juden und einige von diesen politischen Gefangenen, Partisanen, dorthin, ins Zeltlager», deutet darauf hin, dass er sich  – jeden- falls an dieser Stelle  – eher mit «uns Juden» als mit «diesen politischen Gefangenen» identifiziert.87 Pavel Branko, 1921 geboren als Pavel Haas,88 wuchs als Sohn eines konvertierten Juden und einer Russin, seiner Beschreibung nach eine «heftige Antisemitin», auf.89 Diese war offenbar während des Ersten Weltkriegs vor den Bolschewiken nach Sibirien geflüchtet, wo sie Pavel Brankos Vater, der sich dort in Kriegsgefangenschaft befand, 84 AMM, MSDP, OH/ZP1/357, Interview Wagner. 85 Ebd. 86 Ebd. 87 Ebd. 88 Seinen Geburtsnamen Pavel Haas behielt er bis nach dem Krieg bei. Danach legte er sich den zunächst als nom de plume gewählten Namen Branko als offiziellen Nachnamen zu. 89 Entgegen ihrem angeblichen Antisemitismus hielt Pavels Mutter während des Kriegs zwei Juden ver- steckt und rettete ihnen damit das Leben. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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