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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 428 -
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428 | Hana Kubátová «Ich weiß noch gut, dass ein Mitgefangener mir […] ein Stück Brot brachte, ein trockenes Stück Brot  – aber das war was, ein Stück Brot […]. Ich war zu schwach oder zu krank oder was, deshalb legte ich es auf einen Balken neben mir. Dann bin ich wahrscheinlich kurz ein- geschlafen  – na ja, das Brot war jedenfalls weg.»109 Vertieft man sich in die Zeugenberichte der Protagonisten, sticht in Bezug auf ihren jeweiligen Weg nach Mauthausen ein weiteres Moment hervor : Sie alle waren in der einen oder anderen Weise mit Verrat konfrontiert, Verrat war gleichsam die Eintritts- karte nach Mauthausen sowohl für Otto Wagner als auch für Ján Šagát. So sieht das auch Otto Wagner, wenn er erzählt, wie im Jahr 1942 seine jüdische Identität aufflog. Es wurde bereits erwähnt, dass Wagner die ersten drei Kriegsjahre als «U-Boot» über- lebte. Zu verdanken hatte er dies zwei Faktoren : zum einen seiner Freundschaft mit Ľudovít Krajčovič, der ihn 1942 vor der Deportation bewahrte, indem er ihm seinen eigenen «Arierausweis» überließ, und zum anderen seiner Erscheinung : «Ich sah nicht wie ein Jude aus […]. Ich hatte dickes blondes Haar […] einige Burschen, mit denen ich in Bratislava befreundet war, die bei der Hitlerjugend waren […], dachten, ich sei ebenfalls Mitglied der Hitlerjugend.»110 So ließ ihn sein «nichtjüdisches Aussehen» in den ersten drei Kriegsjahren als Ľudovít Krajčovič durchgehen. Als er eines Morgens ohne Vorwarnung verhaftet wurde, war ihm klar, dass er verraten worden war. Ähnliches hat Ján Šagát erlebt. Es war ein Be- wohner seiner Heimatstadt, der die Deutschen, die dort nach ihm fahndeten, zu ihm führte. Ján Šagát zeigt Verständnis für die schwierige Situation, in der der Mann sich befand : «Falsch war nicht, dass er sie zu mir führte. Er musste ja mit ihnen kommen, als sie ihn an den Ort brachten und ihm befahlen, zu zeigen, wo ich wohne […]. Falsch war zu sagen, das ist er. Denn sie fragten : ‹Ján Šagát ?› […] Und er antwortete : ‹Das ist er.›»111 Im Übrigen nötigten die Verhöre durch die Polizei die Gefangenen, auch sich selbst dem Thema Verrat zu stellen. So erinnert sich Ján Šagát, dass er, nach seiner Gefangen- nahme von den Deutschen zu Partisanen befragt, antwortete : «‹Ich weiß von keinen Partisanen !›  – Hätte ich gestanden, hätten sie mich auf der Stelle erschossen.»112 Pavel Branko wurde 1942 von der Staatssicherheitsbehörde verhört : 109 Ebd. 110 AMM, MSDP, OH/ZP1/357, Interview Wagner. 111 AMM, MSDP, OH/ZP1/346, Interview Šagát. 112 Ebd. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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