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438 | Regina Fritz
«Wir kamen zuerst in den sogenannten Judenblock [im Original Deutsch] […], in den soge-
nannten Block 5. Dieser Block, diese Baracke war zweigeteilt. Sie haben die Juden von den
politischen Häftlingen, die nicht die /, die jü / jene jüdischen Glaubens und die Nichtjuden,
römisch kath/. Also wer nicht Jude war, die wurden getrennt untergebracht, und diese Mag-
naten sozusagen […], die erhielten eigene Holzpritschen. Und ! Einige Wochen später wurde
es deutlich, dass wir, egal ob Juden oder Nichtjuden, als prominente Häftlinge galten. Das
stand sozusagen also auf unseren Karteikarten, das war so eine Karte, die die Form einer
Visitenkarte hatte, wo unser Name, Geburtsdaten vermerkt waren, und es gab eine Anmer-
kung : Leichtarbeit, ohne Außenkommando [im Original Deutsch]. Man durfte uns also nur
zur leichten Arbeit einteilen, und uns nicht in ein Außenko/, in eine Arbeitsgruppe außerhalb
des Lagers schicken.»21
Dennoch wurde der damals 24-jährige Ferenczi als jüdischer Häftling für drei Tage
im Steinbruch beschäftigt, eine Arbeit, die ihn körperlich an seine Grenzen brachte.
Später fand er mit Hilfe seiner politischen Kontakte, die er im Lager vor allem zu den
spanischen Häftlingen knüpfen konnte, eine Arbeit in der Schneiderei, in der er mit
der Reparatur von Häftlingskleidung betraut wurde.
Die erste Deportationswelle ungarischer Juden : über Auschwitz nach Mauthausen
Die Erfahrungen, die Ferenczi und Gratz in Mauthausen machten, unterschieden sich
in vielerlei Hinsicht von denen jener Juden, die im Sommer und Winter 1944 in im-
mer größerer Zahl in Mauthausen eintrafen – ein Umstand, den auch Ferenczi selbst
in seinem 2002 geführten Interview wiederholt betont. Diese jüdischen Häftlinge, die
zunächst ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden und hier der
Gaskammer entkommen waren, wurden in den Außenlagern von Mauthausen unter-
gebracht und zu schwerer Zwangsarbeit herangezogen, so auch Magdolna Grünfeld,
die seit dem Spätherbst 1944 im Frauenlager Lenzing Schichtarbeit leisten musste, und
György Zilczer, der bereits einige Monate früher in Melk eingetroffen war.
Die im Jahr 1929 geborene Magdolna Grünfeld wuchs in einer jüdischen Großfa-
milie im Komitat Zala auf. Ihr Vater war Holzhändler und besaß ein kleines Gasthaus.
Die Familie Grünfeld wurde im Mai 1944 im Ghetto von Zalaegerszeg interniert – ein
Schicksal, das sie mit fast allen Juden außerhalb der Hauptstadt teilte, so auch mit dem
Rechtsanwalt György Zilczer, der 1944 Mitglied des Judenrats in Balassagyarmat in
Nordungarn wurde.
Nach der deutschen Besetzung Ungarns hatten die ungarischen Behörden unter
Zusammenarbeit mit deutschen Stellen auch die antijüdische Politik verschärft und
zahlreiche Maßnahmen eingeführt, die in den deutsch kontrollierten Ländern Europas
21 AMM, MSDP, OH/ZP1/163, Interview Ferenczi.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen