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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 439 -
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439«Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» | bereits Jahre zuvor erlassen worden waren. So unterlagen beispielsweise seit April 1944 alle in Ungarn lebenden Juden ab dem Alter von sechs Jahren der Kennzeichnungs- pflicht durch einen gelben Stern an der Kleidung. Die ungarischen Behörden begannen zudem mit der Beschlagnahmung von Radios, Telefonapparaten, Autos und schließ- lich des gesamten «jüdischen» Vermögens22  – eine Maßnahme, die auch die Familie Grünfeld schmerzlich traf, als ihr Gasthaus im Frühjahr 1944 enteignet wurde. Durch die Erweiterung der Definition dessen, wer als «Jude» galt, traf der schrittweise Aus- schluss aus dem wirtschaftlichen Leben auch zahlreiche Konvertiten, die von den anti- jüdischen Bestimmungen bislang ausgenommen gewesen waren.23 Mitte April 1944 begannen die ungarischen Behörden mit der Errichtung der ers- ten Ghettos auf dem damaligen ungarischen Gebiet. Bis Anfang Juni 1944 wurden schrittweise über 400.000 Juden in mehr als 17024 Ghettos zusammengefasst, sodass die Ghettoisierung in Ungarn mit Ausnahme von Budapest in wenigen Wochen fast vollständig abgeschlossen war.25 Die Budapester Juden mussten ab Mitte Juni 1944 in eigens gekennzeichnete «gelbe Häuser» ziehen. Das kurze Bestehen der Ghettos und die anschließende Erfahrung der Deportation und der Internierung in einem Konzentrationslager überdecken in vielen Fällen in den viele Jahre nach der Ereignissen aufgenommenen Interviews die Erinnerungen an den Ghettoalltag.26 Während diese Zeit in den MSDP-Interviews kaum reflektiert wird, ge- ben die DEGOB-Protokolle, die kurz nach dem Krieg mit zurückgekehrten jüdischen Überlebenden aufgenommen wurden, Auskunft über die Lebenswelten der ghettoi- sierten Zwangsgesellschaft. So berichtete György Zilczer in seinen im November 1945 zu Protokoll gegebenen Erinnerungen ausführlich über den Platz- und Wassermangel 22 Zur Enteignung der ungarischen Juden siehe Gábor Kádár/Zoltán Vági : Self-Financing Genocide. The Gold Train  – The Becher Case  – The Wealth of Jews, Budapest 2004. 23 Die ungarische Regierung hatte bereits 1920 ein erstes antijüdisches Gesetz verabschiedet, das die Zahl der jüdischen Studenten an den Universitäten massiv einschränkte. In den Jahren 1938, 1939 und 1941 verabschiedete die Regierung neben zahlreichen weiteren antijüdischen Maßnahmen drei sogenannte Judengesetze. 24 László Csősz spricht von 350  Ghettos und Sammellagern. Vgl. László Csősz : Tettesek, szemtanúk, ál do zatok. A vészkorszak Jász-Nagykun-Szolnok megyében [Täter, Opfer, Zuschauer. Der Holocaust im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok], phil. Diss. Univ. Szeged 2010, S. 74. Etwa 200 davon waren jedoch lediglich provisorische Sammelplätze, wie Synagogen oder Schulen, an denen die jüdische Bevölkerung von kleineren Ortschaften für wenige Tage vor dem Abtransport in ein größeres Ghetto zusammengefasst wurde. 25 Die Reihenfolge der Konzentration und Deportation richtete sich nach den Gendarmeriedistrikten, wobei als Erstes die jüdische Bevölkerung der im Zuge der beiden Wiener Schiedssprüche und durch Kriegshandlungen annektierten Gebiete zur Deportation vorgesehen war. Ihnen folgten die Distrikte im Kernland. 26 Zum Alltag in den ungarischen Ghettos vgl. Regina Fritz : Divergierende Ghettoerfahrungen. Alltag in den ungarischen Ghettos, in : Imke Hansen et  al. (Hg.), Lebenswelt Ghetto. Alltag und soziales Umfeld während der nationalsozialistischen Verfolgung, Wiesbaden 2013 (Veröffentlichungen des Nordost-Ins- tituts, 18), S. 346–368. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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