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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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440 | Regina Fritz bzw. über die Lebensmittelknappheit, die das tägliche Leben im Ghetto Balassagyarmat charakterisierten. Um etwas Abhilfe zu schaffen, organisierten die bessergestellten Per- sonen eine Volksküche, und dem Judenrat gelang es, von den ungarischen Behörden zu erwirken, dass eine Person täglich den öffentlichen Markt außerhalb des Ghetto- zauns aufsuchen durfte. «In der zweiten Hälfte von Mai gab es drei- oder viermal Musterungen im Ghetto, als Folge wurden alle gesunden Männer zwischen 16 und 48 zum Arbeitsdienst weggebracht. Im Ghetto blieben daher nur Kinder unter 16  Jahren, Männer über 48  Jahren, Frauen und Kranke zu- rück.»27 Die Ghettoisierung führte die ungarische Polizei und Gendarmerie durch, wobei Ver- treter des SEK als «beratendes Organ» anwesend waren.28 Während der Ghettoisie- rungs- und Deportationsmaßnahmen kam es zu unzähligen Misshandlungen und Plünderungen durch die ausführenden Organe. Vielen Überlebenden blieben die bru- talen Verhöre in den Ghettos in Erinnerung. Die Gendarmen hofften, durch Folter Informationen über versteckte Vermögenswerte zu gewinnen. Frauen wurden beschä- menden Leibesvisitationen unterzogen, in deren Rahmen Hebammen alle Körperöff- nungen nach versteckten Vermögenswerten durchsuchten. Die Massendeportationen aus Ungarn begannen am 14. Mai 1944.29 Zuvor wurden alle in Ghettos konzentrierten Juden in Sammellagern zusammengefasst, die in den Komitatshauptstädten eingerichtet worden waren. Hier mussten sie meist einige Tage ausharren, bis die Deportationszüge abfuhren. Die Unterbringung und Versorgung er- folgten in den Sammellagern unter sehr provisorischen Bedingungen. György Zilczer erinnerte sich, dass sich das Sammellager von Nyírjespuszta, wohin er zusammen mit den im Ghetto Balassagyarmat untergebrachten Personen Anfang Juni verlegt wurde, in einer Lagerstätte für Tabak befand. Hier wurden lediglich zwei offene Latrinen auf- gestellt. «Einige Tage lang passierte gar nichts, später erhielten wir ein Bündel Stroh, darauf lagen wir.»30 27 Protokoll mit György Zilczer vom 17. 11. 1945, DEGOB 3550. 28 Szabolcs Szita : Verschleppt, verhungert, vernichtet. Die Deportation von ungarischen Juden auf das Ge- biet des annektierten Österreich 1944–1945, Wien 1999, S. 21. Während der Historiker Randolph L. Bra- ham die Zahl der Angehörigen des Sondereinsatzkommandos insgesamt mit 150 bis 200  Personen bezif- fert, schätzt Krisztián Ungváry auf der Grundlage des Budapester Telefonverzeichnisses des SD, dass die Zahl der Mitarbeiter samt Chauffeuren und Sekretärinnen 65  Personen betrug. Krisztián Ungváry : Mes- terterv ? A deportálások döntési mechanizmusa [Meisterplan ? Entscheidungsmechanismus für die De- portation], in : Századok 149.1 (2015), S. 1–32, hier 14, URL : https://szazadok.hu/doc/2015-1.pdf (29. 9. 2020). 29 Erste Transporte mit insgesamt 3800 Personen gingen bereits am 29. April aus dem Lager Kistarcsa und am 30. April aus Topoly nach Auschwitz ab. 30 Protokoll mit György Zilczer vom 17. 11. 1945, DEGOB 3550. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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