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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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441«Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» | Durchschnittlich fuhren täglich zweieinhalb Transporte Richtung Polen ab. Zuvor wurden die Juden aufgerufen, Vermögenswerte, die sie vor den Durchsuchungen der ungarischen Beamten erfolgreich versteckt hatten, abzuliefern. Magdolna Grünfeld be- richtete in ihrem 2002 aufgenommenen Interview über die Deportation : «Und dann –  – [seufzt] aber bevor wir nach Auschwitz kamen, brachten sie uns in eine Zie- gelfabrik. Das war auch eine schreckliche Sache. Und von dort wurden wir dann einwaggo- niert. Diese Reise [/]. –  – Es war furchtbar in diesem Waggon, diese vielen Menschen, und in einen Kübel und alles. [leiser] Es war ein Gräuel ! Verlangen sie nur nicht von mir, dass ich ins Detail gehe, [lächelt] sodass [/]. Ich könnte das gar nicht. [gleichzeitig mit VJ31] Weil seelisch [Ende] nein.»32 Die Erinnerungen von Zilczer, in denen er über mehrere Fälle von Ohnmacht, Wahn- sinn und Tod berichtet, lassen ein wenig von jenen grauenvollen Erlebnissen in den Waggons erahnen, über die Grünfeld im Jahr 2002 nicht mehr sprechen wollte. Am Bahnhof von Košice (ungarisch Kassa), damals eine ungarische Grenzstation, wurden die Züge an die deutschen Dienststellen übergeben. Erneut wurden die im Waggon eingeschlossenen Jüdinnen und Juden aufgefordert, eventuelle Wertsachen abzulie- fern. Manchen Personen gelang es, im Austausch für Geld oder Schmuck von den Wachmannschaften, Bahnhofsmitarbeitern oder von der Zivilbevölkerung Wasser zu erhalten. Innerhalb von acht Wochen, bis zum Juli 1944, wurden  – in einer bislang nicht dagewesenen Schnelligkeit  – 437.400 Menschen deportiert. Davon gelangten 18.000 ungarische Juden ins Durchgangslager Strasshof nordöstlich von Wien. Die hier an- kommenden Familien wurden nach ihrer Ankunft meist nicht getrennt, sondern in Zwangsarbeitslagern im Raum Wien untergebracht, wo die als arbeitsfähig eingestuf- ten Männer und Frauen in der Landwirtschaft oder in der Industrie zur Arbeit einge- setzt wurden.33 31 Gemeint ist die Interviewerin Júlia Vajda. 32 AMM, MSDP, OH/ZP1/054, Interview mit Endréné Erdős geb. Magdolna Grünfeld, Interviewerin : Júlia Vajda, Budapest, 1. 6. 2002. 33 Die Erfahrung dieser Juden unterschied sich in vielen Aspekten von der jener Personen, die nach Ausch- witz-Birkenau deportiert und anschließend in anderen Konzentrationslager zur Arbeit eingesetzt bzw. die nach der Machtübernahme der Pfeilkreuzler an das Deutsche Reich übergeben wurden. Ein großer Teil von ihnen gelangte erst nach der Evakuierung dieser Lager im Frühjahr 1945 in den nationalsozia- listischen Konzentrationslagerkomplex, darunter in das KZ Mauthausen und nach Theresienstadt. Aus- führlich siehe dazu Eleonore Lappin-Eppel : Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterin- nen in Österreich 1944/45. Arbeitseinsatz  – Todesmärsche  – Folgen, Münster et  al. 2010, sowie Kinga Frojimovics/Éva Kovács : Jews in a «Judenrein» City. Hungarian Jewish Slave Laborers in Vienna (1944– 1945), in : Hungarian Historical Review 4.3 (2015), S. 705–736. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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