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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 447 -
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447«Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» | seit Februar 1945 verbessert, zusätzlich war es ihm gelungen, mit Hilfe von Tauschhan- del seine Position im Lager zu verbessern. Deutlich zeigt sich dieser Wandel im Cha- rakter seiner Tagebucheinträge, die seit Februar weniger stark um das Thema Nahrung kreisen. Ausführlich skizziert er seit Ende Februar die Arbeitsbedingungen, berichtet über soziale Beziehungen, über Fälle von Gewalt und erinnert sich an vergangene Er- eignisse aus der Zeit vor der Verfolgung. Nach dem 28. März 1945, dem Zeitpunkt seiner Evakuierung, entwickelt sich das Thema Nahrung erneut zum zentralen Topos seiner Erzählung. Auch jene Ereignisse, die er nebenbei skizziert, stellt er oft mit dem Thema Hunger in Zusammenhang, so etwa wenn er von der Flucht einiger Mithäftlinge auf der Evakuierung berichtet : «Einem gelingt es zurückzuflüchten. Er hat 1  kg Brot und 5  kg Kartoffeln mitgebracht. Er ist gerettet. Aber was wird mit uns ?»55 Am 7. April 1945 traf Gellis schließlich in Mauthausen ein. Das Zeltlager von Mauthausen und die Fußmärsche nach Gunskirchen Aufgrund der großen Zahl an Neuankömmlingen entschied die Lagerleitung von Mauthausen im Herbst 1944 provisorische Unterkünfte zu errichten. Nordöstlich des Stammlagers wurden auf einer Fläche von über einem halben Hektar sechs große und acht kleine Zelte mit provisorischen Latrinen und Waschrinnen aufgestellt, wo zeit- weise mehrere Tausend jüdische Häftlinge, darunter die ungarisch-jüdischen Zwangs- arbeiter aus den Strasshofer Transporten bzw. aus den «Südostwall-Lagern» sowie ein Teil der aus den Außenlagern evakuierten Häftlinge, untergebracht wurden.56 Die öster reichischen Historiker Bertrand Perz und Florian Freund gehen davon aus, dass die Sterblichkeit in diesem Teil des Lagers höher war als im restlichen Teil des Lagers. Die desaströsen Lebensbedingungen verschlechterten den Zustand der durch die Eva- kuierungsmärsche ohnehin körperlich und psychisch geschwächten Neuankömmlinge erheblich. Mitte April 1945 entschied die Lagerleitung schließlich, einen Teil der im Zeltlager untergebrachten Häftlinge in dem im Dezember 1944 errichteten Auffanglager Guns- kirchen unterzubringen.57 «Es hat sich herausgestellt, dass wir weiterziehen müssen», notierte am 16. April 1945 Andor Gellis in sein Tagebuch. «Wir fühlen uns schwindlig vor Hunger, weil wir gestern nicht ‹normal› zum Essen bekamen, auch heute erhielten 55 Eintrag vom 3. April 1945, in : Gellis/Dezső, Naplótöredékek, S. 54. 56 Florian Freund/Bertrand Perz : Mauthausen  – Stammlager, in : Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors. Bd. 4 : Flossenbürg  – Mauthausen  – Ravensbrück, München 2006, S. 300 f. Das Zeltlager wurde bereits im Herbst 1944 errichtet. Die ersten Häftlinge wurden im Dezember 1944 hier eingewiesen. Maršálek, Geschichte, S. 72. 57 Die Transporte verließen am 16., 26. und 28. April das Stammlager Mauthausen. Florian Freund : Guns- kirchen (Wels  I), in : Benz/Distel (Hg.), Der Ort des Terrors, Bd. 4, S. 368–370, hier 369. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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