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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 448 -
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448 | Regina Fritz wir noch nicht ein Bissen.»58 Die Häftlinge verließen am 16., 26. und 28. April das Stammlager Mauthausen. Im Zeltlager verblieben lediglich einige Hundert Häftlinge.59 Der drei bis vier Tage lang dauernde Fußmarsch von Mauthausen in das 55  Kilometer entfernte Gunskirchen kostete zahlreiche Häftlinge das Leben. Viele versuchten mit Hilfe von Schnecken oder Gras ihren Hunger zu stillen. «Es gibt den Eisenhut und den Wald- klee. Der eine schmeckt nach Knoblauch, der andere nach Sauerampfer. Wir grasen es ab. Die, die Glück haben, finden Schnecken, die sie so roh essen», vermerkte Andor Gellis seine Ernährungsstrategie in seinem Tagebuch.60 Jene, die nicht mithalten konnten, wur- den von den Wachen erschossen. Über die Zahl der Todesopfer auf diesem Marsch liegen keine gesicherten Informationen vor, doch sie wird als sehr hoch geschätzt.61 Die entkräfteten Häftlinge, die in Gunskirchen ankamen, fanden ein bis zu diesem Zeitpunkt nicht fertiggestelltes Lager mitten in einem Waldabschnitt vor.62 Gábor Bán erinnert sich in seinem Interview an «ein[en] Ort in einem wunderschönen Tannen- wald mit frisch gezimmerten, von Häftlingen gezimmerten Baracken, wo man idylli- sche Tage hätte verbringen können».63 Auch in zahlreichen anderen Berichten finden sich Hinweise auf die verstörende Diskrepanz zwischen dem äußeren Eindruck des Lagers (und der schönen Landschaft) und der täglichen Realität. Denn in den neu errichteten Baracken fehlten Betten, die Häftlinge mussten auf dem Boden oft sitzend schlafen. Zahlreiche Häftlinge schliefen unter freiem Himmel, teils um der massiven Überfüllung zu entkommen, teils aus schlichtem Platzmangel innerhalb der Baracken. Gábor Bán blieb vor allem der Geruch des Lagers in Erinnerung : «In der ganzen Baracke in Gunskirchen begann sich dieser Geruch überall auszubreiten. […] Ich kam in Gunskirchen darauf, dass das eine Art Leichengeruch ist […]. Wahrlich, wahrlich, die Menschen starben tatsächlich in einer irrsinnigen Geschwindigkeit. Wenn man in der Früh erwachte, stellte sich heraus, dass der neben ihm, der links oder rechts daneben Lie- gende gestorben war, es gab welche, die deshalb auf die Balken kletterten und dort schliefen, um sich nicht mit Typhus anzustecken, unabsichtlich schlief man ein, fiel hinunter, starb, der, auf den man fiel, starb auch.»64 58 Gellis/Dezső, Naplótöredékek, S. 56. 59 Freund/Perz, Mauthausen, S. 301. 60 Gellis/Dezső, Naplótöredékek, S. 57. 61 Zu den Zahlen siehe Kammerstätter, Der Todesmarsch ungarischer Juden, S. 29. 62 Die Bauarbeiten am Lager Gunskirchen begannen am 27. Dezember 1944. Zwischen Dezember 1944 und März 1945 wurden die Häftlinge des Lagers in einer ehemaligen Schule in der Ortschaft Gunskirchen untergebracht. Sie waren für die Errichtung der Baracken zuständig. Im Gegensatz zu den seit Ende April 1945 hier eingetroffenen ungarischen Juden wurden sie von der SS registriert und erhielten Häftlings- nummern. Freund, Gunskirchen, S. 368. 63 AMM, MSDP, OH/ZP1/162, Interview Bán. 64 Ebd. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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