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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 449 -
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449«Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» | Die im Zeltlager bzw. im Auffanglager Gunskirchen untergebrachten ungarischen Häft- linge wurden nicht registriert. Daher liegen über ihre Zahlen heute nur Schätzun gen vor. Insgesamt wurden zwischen 17.000 und 20.000 Häftlinge im Lager Gunskirchen untergebracht. Innerhalb weniger Wochen starben etwa 3000 Personen,65 Sza bolcs Szita spricht von täglich 150  Toten.66 Berichten der US-Armee zufolge befanden sich zum Zeitpunkt der Befreiung ca. 15.000 Männer, Frauen und Kinder im Lager Gunskirchen.67 Hunger, Lebensbedingungen und soziale Kontakte in der letzten Lagerphase Der Alltag der ungarischen, jüdischen Häftlinge in Gunskirchen war  – wie schon im Zeltlager  – durch die schlechte Versorgungslage gekennzeichnet. Andor Gellis notierte in den ersten Tagen nach seiner Ankunft in Gunskirchen in sein Tagebuch : «Die Versorgung ist zum Verzweifeln. […] Den ganzen April habe ich nicht so viel gegessen, wie an drei Tagen zu Hause, obwohl jetzt schon der 20. [April] ist. […] Es gibt nichts zum Essen, das Gras haben sie schon aufgegessen, auch die Rinden der Bäume. Gott, hilf uns. So müssen wir also sterben. Der letzte Lebensinstinkt der Menschen äußert sich in Schlägereien und Streitereien.»68 Überhaupt nimmt das Thema Hunger einen zentralen Platz in den personenbezogenen Quellen ein. Fast alle Tagebucheinträge von Gellis, die im Zeltlager oder in Gunskir- chen verfasst wurden, kreisen um das Thema Essen und geben Zeugnis über die Un- regelmäßigkeit der Essenszuteilung, was darauf hinweist, dass die Lagerleitung auf die Masse an Häftlingen nicht vorbereitet war. Doch auch in den nach der Befreiung aufgenommenen Erinnerungsberichten steht das Thema Hunger im Vordergrund der Erzählung. So erinnert sich Ivan Deutsch : «Wir waren hungrig wie verrückt. Ich meine, wir haben nur vom Essen geträumt. Deshalb haben wir beschlossen, jede Art von Lebensmittel, die wir kennen, auf der Welt zu notieren. Und ich habe dieses Papier übrigens immer noch hier. Und wir fingen an zu notieren. Wir be- gannen mit Vorspeisen, dann Suppe, dann Salate, dann Hauptgerichte, Desserts. Jeder hat sich ein paar Dinge ausgedacht. Natürlich meistens ungarisches Essen, denn wir waren Ungarn.»69 65 Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten (Hg.), Das Kon- zentrationslager Mauthausen 1938–1945, S. 271. 66 Szita, Verschleppt, verhungert, vernichtet, S. 242. 67 Freund/Perz, Mauthausen, S. 326. 68 Gellis/Dezső, Naplótöredékek, S. 58. 69 AMM, MSDP, OH/ZP1/235, Interview mit Ivan Deutsch, Interviewerin : Sara Ghitis, New York, 29. 8. 2002 (Übersetzung aus dem englischen Transkript). Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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