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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 450 -
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450 | Regina Fritz Die massive Überfüllung führte zu gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen den Häftlingen. Der ständige Kampf um jeden Zentimeter Platz, die fehlende Privatsphäre und der ständige Hunger ließen interne Spannungen wachsen. Hinzu kam die unbe- rechenbare Gewalt der Wachen, die sich in spontanen Übergriffen auf die Häftlinge äußerte. Auch fehlten Sanitätsanlagen, wobei viele vor allem an den mangelnden Waschmöglichkeiten litten. Gellis zwang der Mangel an Waschmöglichkeiten dazu, das wenige Wasser, das er hin und wieder erhielt, anstatt zum Trinken zum Gesicht- waschen und Rasieren zu verwenden. Unter den körperlich geschwächten Häftlingen brachen Krankheiten aus, die aufgrund fehlender medizinischer Versorgung oft zum Tod führten. Die Tage verbrachten die Häftlinge mit Appellen und Warten. Sie wurden nicht zur Arbeit eingesetzt. Nur vereinzelte Häftlinge hatten Aufgaben in der Häftlingsselbstver- waltung übernommen, vor allem in der Küche oder als Kapos, wie aus einzelnen Ego- Dokumenten deutlich wird. Andor Gellis skizzierte am 27. April in seinem Tagebuch die Hierarchie innerhalb des Lagers : «Die SS kümmert sich nicht viel um uns. Manchmal schießt sie über den Zaun in das Lager hinein, es gibt 1–2 Tote und alles geht wie gewohnt weiter. Alles ist furchtbar schmutzig, eigent lich müssten sich die Kapos um die Ordnung kümmern, aber auch sie sind schwach und kümmern sich eher darum, dass wir uns bei der Essenausgabe nicht gegenseitig erschla- gen. Wir sind etwa zu 8000, auch ungefähr 500 Frauen. Wir sind in 300er-Gruppen eingeteilt. Der Kopf dieser Gruppen ist der Oberkapo. Sie [die 300er-Gruppe] ist nochmal in fünf Grup- pen geteilt, deren Kopf ist der Kapo.»70 Unter der zunehmenden Verschärfung der Versorgungslage in den letzten Wochen vor der Befreiung litten nicht nur die Häftlinge in den provisorischen Lagern. Zahlreiche Überlebende, die im Stammlager Mauthausen oder in den diversen Außenlagern un- tergebracht waren, berichteten über die Überfüllung und den massiven Hunger, der in den letzten Wochen vor der Befreiung täglich zunahm. Doch waren Neuzugänge, die in der letzten Lagerphase in Mauthausen ankamen, von Unterernährung und Krank- heit in vielen Fällen stärker betroffen als Personen, die bereits seit längerer Zeit im Lager inhaftiert waren. Prinzipiell konnten Häftlinge zwar ihre Lage geringfügig durch Tauschhandel verbessern, doch waren hierzu ein Wissen über die Strukturen des La- gers und ein soziales Netzwerk notwendig, das erst nach Wochen des Aufenthalts in einem Lager etabliert werden konnte. Der slowenische Häftling Dušan Stefančič, der Ende 1944 in Mauthausen eintraf und bereits im Vorfeld mehrere andere nationalso- zialistische Konzentrationslager durchlaufen hatte, macht dies in seinem Interview auf eindrückliche Weise deutlich : 70 Gellis/Dezső, Naplótöredékek, S. 60 f. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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